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Aachen: Geldwäsche-Prozess wird kürzer

Aachen : Geldwäsche-Prozess wird kürzer

Nach dem Paukenschlag des umfänglichen Geständnisses am ersten Verhandlungstag im Reemtsma-Geldwäscheprozess hat der Aachener Drach-Komplize Bernd Dieter Kramer (59) am Donnerstag einen eher entspannten Eindruck gemacht.

Sein Verteidiger Andreas Fleuster verzichtete - wenig verwunderlich - auf alle Zeugen. Nur zur Haftsituation in Brasilien soll es noch Aussagen geben.

Da zierte sich die langjährige Ermittlerin, Staatsanwältin Jutta Breuer, nicht lange. Auch sie verzichtete auf alle Zeugen bis auf einen: Der Aachener Physiotherapeut Thomas S., der als Kurier diente und ab 2002 mit seinen Geständnissen die Verfolgung des Drach-Busenfreundes Kramer ins Rollen brachte, soll in den Zeugenstand, wo er bereits im Aachener Geldwäscheprozess gegen den jüngere Drach-Bruder Lutz war.

Bei einer Sache blieb Kramer allerdings eisern: Zu seinen persönlichen Verhältnissen zuletzt in Brasilien sagte er kein Sterbenswörtchen - zu extrem scheint die Gefahrenlage rund um die weiterhin zum größten verschwundenen Lösegeld-Millionen des vom Kölner Thomas Drach 1996 entführten Hamburger Unternehmers Jan Philipp Reemtsma.

In vorangegangen Prozessen zum Thema war es die Regel, dass vermutlich von Reemtsma bezahlte Privatermittler im Saal saßen und eifrig mitschrieben. So ist es auch dieses Mal in der 1. Großen Hilfsstrafkammer. Auszuschließen ist jedoch keineswegs, dass sich Mitwisser aus dem kriminellen Umfeld Einsichten über den Verbleib der rund 14 Millionen Euro verschaffen wollen.

Der 33 Tage lang bei Bremen festgehaltene Reemtsma soll am Abend seiner Freilassung Thomas Drach noch höflich ans Herz gelegt haben, ihm doch eine Visitenkart zu überreichen, damit man sich irgendwann wiedersehe - am besten vor Gericht. Reemtsmas Ziel seit der Entführung, hieß es in diversen Berichten, sei durchaus die Wiederbeschaffung des Geldes, auf jeden Fall aber solle niemand in Ruhe damit leben können.

Die Mittäter wurden relativ schnell festgesetzt, wie es im Hamburger-Urteil von März 2001 über Thomas Drach hieß. Den Geldwäsche-„Beauftragten” Kramer ereilte der Fluch der Lösegeld-Millionen erst spät. 2006 musste er zunächst ins braslianische Gefängnis. Am Donnerstag beschrieb Kramer, wie er im Knast zwischen die Fronten einer Gang-Revolte geriet und eher zufällig überlebte, weil er unter einem Erschossenen begraben wurde. „Es lief überall Blut, ich wusste nicht, ob von mir oder dem anderen.” Kramer blieb unverletzt. Der Prozess wird am 13. November, 9 Uhr, fortgesetzt.