Das Da Theater zeigt „Ich werde nicht hassen“: Gefühlvoll und echt

Das Da Theater zeigt „Ich werde nicht hassen“: Gefühlvoll und echt

Heftiger Applaus nach 90 intensiven Minuten, immer wieder wird Schauspieler Mohammad-Ali Behboudi auf die Bühne gerufen.

„Ich werde nicht hassen“, das Solostück von Izzeldin Abuelaish in der Inszenierung von Ernst Konarek (Theaterhaus Stuttgart), haben Tom Hirtz und Maren Dupont als Künstlerische Leiter auf den Spielplan des Aachener Das Da Theaters gesetzt. Das Werk „eröffnet einen neuen, sehr persönlichen Blick auf den Nahostkonflikt“, betonen sie.

Mit dem iranischen Schauspieler und Regisseur Mohammad-Ali Behboudi (62), der seit 1984 in Deutschland lebt und arbeitet, fand Konarek den idealen Darsteller für die Rolle des Gynäkologen Dr. Izzeldin Abuelaish, der als erster palästinensischer Arzt an einem israelischen Krankenhaus arbeiten durfte.

Die Hoffnung auf Frieden

Behboudi „lebt“ das Schicksal Abuelaishas auf der Das-Da-Bühne, das Ringen um Bildung, die Nähe und Liebe zur notleidenden Familie im Gaza-Flüchtlingslager von Jabaliya, Angst und Bedrängnis aber auch dessen zutiefst humaner Wunsch, in Frieden zu helfen. Da steigen dem Schauspieler die Tränen in die Augen, küsst er feierlich den Koran. Die Angst des heranwachsenden palästinensischen Jungen kann man körperlich mitempfinden, das Staunen, dass es im Miteinander der Menschen doch hoffnungsvolle Wege zu geben scheint, die Lebensfreude an Studienorten wie Kairo und London, die ihm ganz neue Welten öffnen.

So mancher Zuschauer schaut zur Sicherheit noch mal ins Programm. Ist das wirklich ein Schauspieler? Oder ist es der Protagonist der Geschichte persönlich, der dort von Frau und acht Kindern schwärmt? Mit wenigen Ausstattungsstücken und einer zunächst mit Schulkreide an eine Wand skizzierten Zeichnung von der Lage des Gaza-Streifens in Israel nimmt Gudrun Schretzmeister (Ausstattung) die Zuschauer mit in das Leben der dortigen Minderheit, Toneinspielungen verstärken den surrealen Wahnsinn von Repressalien an den Checkpoints.

Dann der grausamste Einschnitt: Kurz vor der Abreise der Familie nach Kanada werden 2009 drei Töchter des Arztes und deren Cousine durch israelische Panzergranaten getötet. Per Telefoninterview geht die Nachricht um die Welt. Wie spielt man das? So, wie es Mohammad-Ali Behboudi fühlt und vermittelt, der schließlich den Kernsatz spricht: „Es ist Zeit, sich hinzusetzen und miteinander zu reden.“ Ein wichtiges Stück, mit dem das Das Da Theater erneut zeigt, wie wichtig ihm politische Themen sind.

„Ich werde nicht hassen“, Solostück von Izzeldin Abuelaish, Das Da Theater Aachen, bis 24. Februar Vorstellungen donnerstags bis samstags 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Sonderveranstaltung am Sonntag, 17. Februar, 11 Uhr. Im Anschluss an das Stück findet ein Gespräch mit dem Autor statt. Tickets unter 0241-161688.

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