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Aachen/Düren: Gefängnisstrafe für Arbeitsunwilligen

Aachen/Düren : Gefängnisstrafe für Arbeitsunwilligen

Nein, Luigi B. aus Düren wollte den Richtern nichts, aber auch gar nichts gestehen. So waren „mildernde Umstände” für das Aachener Landgericht völlig außer Reichweite.

Die Strafkammer verhängte sechs Monate Haft ohne Bewährung. Warum? Der Angeklagte zahlt seit Jahren keinen müden Euro-Cent, keinen Pfennig Unterhalt, der Staat kommt gänzlich für seine Lieben auf. Das geht so nicht, meinen die Richter.

Der 41-jährige Sizilianer ist seit 1983 mit einer Deutschen verheiratet, zeugte vier Kinder, davon drei Söhne, die heute im Alter von 15, 18 und 19 Jahren sind, die Tochter ist 16. Dass er nichts zum Unterhalt der Familie beisteuerte, war zuerst eine Folge seiner Arbeitslosigkeit. Das Sozialamt zahlte für Kinder und Ehefrau in der Vor-Euro-Zeit rund 2700 D-Mark an Sozialhilfeleistungen.

Er wollte mindestens 2700 Euro brutto

Ende 1998 nun hatte der Familienvater aus seiner Sicht zum ersten Mal großes Pech. Das Amt bot ihm eine Arbeit an. Der Italiener lehnte ab, wurde wegen unterlassener Unterhaltszahlungen zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt, Auflage: Wenn möglich, arbeiten gehen! 2001 war es wieder so weit. Bei einer Dürener Firma sollte er für 2400 Mark brutto im Monat arbeiten. Was den Richtern die Zornesröte ins Gesicht trieb, waren Luigis Argumente für eine neuerliche Ablehnung: Er wollte mindestens 2700 Mark brutto! Das Dürener Amtsgericht brummte ihm daraufhin zehn Monate auf, in der Berufung blieb davon immerhin ein halbes Jahr übrig.

In der Urteilsbegründung klang echte Empörung durch: Nur wenn Strom oder Telefon abgestellt wurden, habe Luigi B. etwas dazu verdient - dann schwarz natürlich. (AZ: 71 NS 48/04)