Bonn: Gefährliches Pflaster: Römische Verbrechen in Bonn

Bonn: Gefährliches Pflaster: Römische Verbrechen in Bonn

Wenn es um Kriminalität und Verbrechen ging, so war den Römern nichts fremd. Sie kannten organisierte Wirtschaftskriminalität ebenso wie wir. Da wurde entführt, gestohlen, gemordet und geraubt.

Die, die es taten, und die, die sich dagegen zur Wehr setzten, haben Spuren hinterlassen. Die sind jetzt bis zum 18. August im Rheinischen Landesmuseum in Bonn in der Sonderausstellung „Gefährliches Pflaster — Kriminalität im Römischen Reich“ zu sehen.

Gefährliches Pflaster: Eine Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum in Bonn beleuchtet Kriminalität im Römischen Reich. Hier sind einige Exponate zu sehen: der durchbohrte Schädel eines Delinquenten, eiserne Fußfesseln, die Figur eines römischen Soldaten und Terrakottafiguren, die als Grabwächter dienen sollten. Foto: dpa

„Geldfälschen war bei den Römern gang und gäbe“, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Claudia Klages. „Spuren der Fälscherwerkstätten ziehen sich den ganzen Rhein runter.“ Aus einer solchen Fälscherwerkstatt in Augst bei Basel zeigt die Ausstellung Prägestempel, Schrötlinge und täuschend echt gefälschte Silberdenare. Für den römischen Staat war das Delikt besonders schwerwiegend und stand unter Todesstrafe. Auch wer gefälschte Münzen besaß, lebte gefährlich.

Gefährliches Pflaster: Eine Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum in Bonn beleuchtet Kriminalität im Römischen Reich. Hier sind einige Exponate zu sehen: der durchbohrte Schädel eines Delinquenten, eiserne Fußfesseln, die Figur eines römischen Soldaten und Terrakottafiguren, die als Grabwächter dienen sollten. Foto: dpa

Eine Polizei, wie wir sie kennen, gab es nicht. Wer einen Diebstahl aufklären und den Schuldigen vor Gericht bringen wollte, der war auf sich allein gestellt. Auch eine Staatsanwaltschaft gab es nicht. Die Opfer von Verbrechen mussten grundsätzlich selbst Anklage beim städtischen Magistrat einlegen und die Sache dann auch selbst vor Gericht vertreten. Sklaven und Frauen stand dieses Recht allerdings nicht zu.

Gefährliches Pflaster: Eine Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum in Bonn beleuchtet Kriminalität im Römischen Reich. Hier sind einige Exponate zu sehen: der durchbohrte Schädel eines Delinquenten, eiserne Fußfesseln, die Figur eines römischen Soldaten und Terrakottafiguren, die als Grabwächter dienen sollten. Foto: dpa

Ein Geschworenengericht bestimmte über Schuld oder Unschuld. Zur Strafvollstreckung wurde der Täter an das Opfer oder dessen Angehörige ausgeliefert. Gefängnisstrafen waren unbekannt. Entweder musste Schadenersatz in Form von Geld geleistet werden, oder es gab Schläge oder Zwangsarbeit. Bei schweren Delikten konnten die Täter zu lebenslanger Zwangsarbeit im Bergwerk oder Steinbruch verurteilt werden, und sie verloren das Bürgerrecht und wurden Staatssklaven.

Magische Verwünschungen

Schon in römischer Zeit sicherten die Menschen Haustüren, Truhen und Kästchen mit Schlössern aller Art. Tausende gefundene Schlüssel, von denen einige besonders gelungene Exemplare in der Ausstellung zu sehen sind, belegen das. Wer das nötige Geld hatte, schaffte sich einen Wachhund an.

Es war nicht leicht, sich Gerechtigkeit zu verschaffen. Daher griffen die Menschen gern zu magischen Mitteln. Sie ritzten Verwünschungen in Täfelchen aus Blei, die dann an besonderen Orten verborgen wurden. „Er soll weder Schlaf noch Gesundheit finden“, war eine eher harmlose Verwünschung für Diebe oder Prozessgegner.

Wie sauer die Menschen auf die Täter waren, belegen einige der gezeigten Täfelchen: „Lösche ihn aus mit Gift“, wird da eine Gottheit angefleht, um einen Teppichdiebstahl zu bestrafen. „Verliere Sinne und Augen“, wünscht ein anderer einem Täter, der ihm ein paar Handschuhe geklaut hat.

Ging es um die Todesstrafe, waren die Römer nicht zimperlich. Die Verurteilten wurden zum Beispiel wilden Tieren im Zirkus vorgeworfen. Von einer anderen Todesart zeugt ein Schädel in der Ausstellung: Er zeigt, dass der Delinquent zunächst skalpiert und ihm anschließend ein Nagel durch den Hinterkopf getrieben wurde, ehe man ihn aufhängte.