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Aachen: Gänsekiel statt Adlerfedern: Freischütz, die Zweite

Aachen : Gänsekiel statt Adlerfedern: Freischütz, die Zweite

Die „Wolfsschlucht” im biedermeierlichen Wohnzimmer, ein Jägersmann, der eigentlich ein Schreiber ist und Gänsekiele viel lieber mag als finstere Adlerschwingen, ein Eremit, der zugleich den Bösen - Samiel - verkörpert.

Paul Esterhazys Regie für die Oper „Der Freischütz” von Carl Maria von Weber (Uraufführung 1821) bleibt in der Diskussion. Jetzt stellten sich in der Inszenierung, die am 11. Februar ihre Premiere hatte und auch im kommenden Monat noch auf dem Spielplan steht, jene Akteure vor, deren Namen gleichfalls hinter den Hauptrollen stehen, die aber bisher noch nicht im Einsatz waren.

Unter der Stabführung von Kapellmeister Jeremy Hulin, der es nicht immer schaffte, Orchesterpart und Gesang präzise zu vereinigen, verkörperte Michael Ende (Tenor) mit bewegender Persönlichkeit einen „Max”, der sicherlich in Zukunft noch wesentlich eindrucksvoller zur Entfaltung kommt.

Kraftvoll und empfindsam bewältigt er diese Figur jetzt bereits, wird allerdings stimmlich durch spürbare „Unterspannung” behindert, da die Regie von ihm den eher unterwürfigen, schlappen Charakter verlangt, der mit Hängeschultern herumschlurft.

Das kann der Entfaltung einer noch jungen Stimme nicht gut tun, zumal er während seiner kompliziertesten Arien zum Teil unsinnige Gänge absolvieren muss Jill-Maria Marsden ist eine freundliche Agathe mit Wärme im schönen Sopran, doch auch sie bleibt eher ein wenig blass.

Selbst ihre berühmte Arien „Leise, leise” versickert, wenn sie brav auf einem Stuhl an der äußersten rechten Seite beginnen muss.

Mit starker Bühnenpräsenz ist Jaroslaw Sielicki ein vollgültiger, komödiantisch versierter Caspar, der allerdings seinen kernigen Bariton in den Höhen überprüfen sollte - vielleicht lag es ja auch an der angesagten Indisposition.

Der „Eremit” Johannes Piorek trägt nicht gerade leicht am gleichzeitig zu verkörpernden Bösen - gegen Ende gewinnt er an Persönlichkeit, wird deutlich freier und präsenter.

Ein guter Klang gegen Ende ist Richard Meijers „Fürst Ottokar”, den er souverän ins Spiel bringt. Ein Abend, der alle mit sehr freundlichem Applaus des Publikums belohnte.