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Aachen: Funkelnde Klangminiaturen und musikalische Gipfel-Stürmer

Aachen : Funkelnde Klangminiaturen und musikalische Gipfel-Stürmer

Kleine Raritäten am Wegesrand des großen Repertoires schmückten den ersten Programmteil des 3. Kammerkonzerts im nahezu voll besetzten Theater-Foyers, bevor man mit Franz Schuberts „Rosamunde”-Quartett nach der Pause zu den Sternen griff.

Vor allem die Harfe, genauer die Solo-Harfenistin des Aachener Sinfonie Orchesters Christine Fraisel, verlieh dem ersten Block eine besondere Note. Maurice Ravels „Introduktion und Allegro” für Harfe und sieben Instrumente erfuhr eine lichte, klanglich schillernde Interpretation, in der Begleitung bisweilen etwas schwergewichtig, aber insgesamt mehr als angemessen.

Mit ihrer ebenbürtigen Partnerin, der Flötistin Stefanie Faust, machte die Harfenistin dann noch mit einem Duo des französischen Harfenisten und Komponisten Bernard Andrés bekannt. Gut gebaute, funkelnde Miniaturen, die die klanglichen Möglichkeiten vor allem der Harfe moderat ausschöpfen. Dazwischen erinnerte Walter Mengler mit dem Capriccio für Violoncello solo an die immer noch innovativste Schaffensperiode des Polen Krzysztof Penderecki. Ein Werk, das mit seinen ungewöhnlichen Spieltechniken 1968 noch für Aufsehen erregte, heute zum Repertoire der klassischen Moderne gezählt werden darf. Und so interpretierte es auch Walter Mengler: spieltechnisch souverän, unprovokant und dennoch spannend.

Nach der Pause dann der Gipfelsturm mit Schuberts großem „Rosamunde”-Quartett. Eine für eine ad hoc zusammengestellte Formation kaum lösbare Hürde. Dennoch gelang Emanuel Coman, Daniela Rodica-Ciocoiu (Violine), Jind_i_ka Kopecká (Viola) und Claudius Wettstein (Violoncello) eine hörenswerte Interpretation, die die schwierige Gratwanderung zwischen lyrischer Wärme und innerer Unruhe, respektabel bewältigte. Abgesehen davon, dass ein rundum homogenes Zusammenspiel unter den gegebenen Bedingungen nicht erreicht werden kann, beschränken sich kritische Einwände vor allem auf Details: Etwa das dickliche Klangbild im Kopfsatz, das die differenzierten Strukturen der Stimmen verwischen lässt, oder die zu harmlos ausgeformten Konturen in den Eckteilen des Menuettos, die dem verschleierten Ländler die nötige Schärfe vorenthalten.

Dennoch eine rundum überzeugende Veranstaltung. Schade, dass bereits am Sonntag die Programmblätter ausgingen. Denn Montagabend um 20 Uhr wird das Konzert im Spiegel-Foyer des Theater wiederholt.