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Aachen: Fürstin Gloria und der Adel: „Seid lieb zu uns, wir sterben aus”

Aachen : Fürstin Gloria und der Adel: „Seid lieb zu uns, wir sterben aus”

Gloria von Thurn und Taxis ist sehr katholisch. Und klug. Und sympathisch. Und weil die Fürstin sehr katholisch ist, sucht sie immer nach einer geeigneten Kirche, wenn sie auf Reisen ist. Sie hat sich eine Art Sport daraus gemacht und ist ziemlich stolz darauf, dass sie dank ihres Spürsinns sogar in muslimischen Ländern täglich zur Messe gehen konnte.

Ihr Gespür ließ sie auch in Aachen nicht im Stich. Schließlich wollte sie, bevor sie die höchsten närrischen Weihen entgegennimmt, nicht auf den kirchlichen Segen verzichten.

In Herzogenrath wurde die künftige Ritterin des Ordens Wider den tierischen Ernst fündig. In der Kirche St. Mariä Himmelfahrt wird nämlich die Messe nach dem klassischen römischen Ritus gefeiert, in Latein und mit Mundkommunion - sehr katholisch. Fast 1500 Jahre haben die Katholiken die Messe auf diese Weise gefeiert, bis sie von einer moderneren Liturgie abgelöst wurde. Aber die alte hat immer noch viele Freunde, unter anderem Papst Benedikt XVI. und eben Gloria von Thurn und Taxis.

Schwester im Glauben

Weil die Fürstin sehr klug ist, erklärt sie ihre Vorliebe für das klassische Ritual, bei dem jede Bewegung des Pfarrer vorgeschrieben und sein Messgewand oft mit Goldfäden bestickt ist, überzeugend: „Wenn der Herrgott in diesem Augenblick bei uns ist, dann kann es doch nicht feierlich genug sein”, sagt die 48-Jährige nach der Messe bei den Herzogenrather Montagsgesprächen, die wegen des adeligen Besuches ausnahmsweise mal auf einen Donnerstag fielen.

Pfarrer Guido Rodheudt befragte die „Schwester im Glauben” wie sie es mit der Beichte hält, wie sie zum Papst steht, was der Adel für sie bedeutet.

Bei ihren gewitzten, schlagfertigen Antworten jubilierte eine Dame aus dem Publikum: „Sie hält ihre Ritterrede ja jetzt schon.” Denn Gloria von Thurn und Taxis war selten um eine Antwort verlegen. Die Beichte zum Beispiel - die ihr ein „sehr katholischer” Priester wegen ihres Sündenregisters ans Herz gelegt hat - sei viel günstiger als ein Psychiater oder Therapeut, nämlich kostenlos.

Josef Ratzinger war ihr Favorit auf den Papststuhl. Schon vorher habe sie mit ihrer Freundin Alexandra Borghese darüber gesprochen, dass Ratzinger sich „einfach gut in dem Fenster machen würde”. Nur dass sie gerufen haben soll „It´s partytime”, als der weiße Rauch aufstieg, wollte ihre Durchlaucht nicht bestätigen. Aber sie lächelte.

Die Frage nach ihrem Verhältnis zum Adel kommt so oft, dass sie sich für alle Fälle eine witzige Antwort bereitgelegt hat: Der Adel sei so etwas wie ein seltenes Tier. Er habe nichts mehr zu sagen, keine Bedeutung und oft noch nicht einmal mehr Geld. „Seid lieb zu uns, wir sterben aus”, sagt sie und kneift lachend die Augen zusammen, so dass tausend kleine Lachfalten um ihre Augen tanzen.

Sehr sympathisch. Okay, sie hält die Emanzipation für ein Produkt eines Minderwertigkeitskomplexes der gesammelten Weiblichkeit und für längst erledigt, Abtreibung für ein Verbrechen und den katholischen Glauben für den einzig glücklich machenden, aber sie ist nett.