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Köln: Für ein halbes Jahr geregeltes Leben üben

Köln : Für ein halbes Jahr geregeltes Leben üben

Darius Mahsuli (Name geändert) strahlt. „Super Kollege”, sagt er. „Vielseitige Arbeit.” Darius ist 45, und in seinem Leben kommt es jetzt zum zweiten Mal vor, dass er feste Arbeitszeiten hat. Dass er um acht in die Holzwerkstatt kommt und um 16 Uhr geht, dass es einen Chef gibt und Kollegen, die er täglich sieht. Ein geregeltes Leben für ein halbes Jahr.

Darius ist bei „Zug um Zug” in Köln-Nippes beschäftigt, einem Unternehmen im Diakonischen Werk. Für die Statistiker ist er damit nicht arbeitslos. Es kann eine Verlängerung von drei Monaten geben, wenn sein Betreuer Bernd Königsfeld darlegen kann, was das zusätzlich bringt. Die Begründung hat er der Arge Köln einzureichen, jener von Stadt und Arbeitsamt getragenen Stelle, die die Empfänger des Arbeitslosengeldes II betreut. Dann könnte die Arge verlängern, was amtlich „Arbeitsgelegenheit der Mehraufwandsvariante nach §167; 16 Absatz 2 Sozialgesetzbuch II” heißt - und im Volksmund Ein-Euro-Job.

Den Volksmund findet Königsfeld unfair. Nicht nur, weil Darius mehr als den sprichwörtlichen Euro erhält. Die Frage ist vielmehr, ob er überhaupt eine richtige Stelle hat. Von „Integrationsjobs” spricht Königsfeld: Angestellte Handwerker bauen Fensterrahmen, Darius und seine Job-Kollegen schleifen daran herum, lernen Bohren oder Drechseln. Ein Stockwerk höher sitzt eine Frau zitternd vor einer Nähmaschine. „Wir üben erst ohne Faden und mit einem Stück Papier”, sagt die Pädagogin Kirsten Jacobs.

Königsfelds „Integrationsjobs” sind eines der Angebote, die der Kölner Arge zur Verfügung stehen. Sie ist die größte in NRW. Sie betreut über 60.000 Haushalte (so genannte Bedarfsgemeinschaften) mit 109.000 Menschen, also jeden neunten Kölner. 81.000 gelten als erwerbsfähig. Möglichst jedem der 81.000 soll eine „Maßnahme” vermittelt werden, von der sechswöchigen „Trainingsmaßnahme” über das „Sprungbrett”, bei dem Jugendliche arbeiten und Schulabschlüsse nachholen, bis zur „Arbeitsgelegenheit”.