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Aachen: Frühe Hilfe, Elterntraining und ein bisschen mehr Geld

Aachen : Frühe Hilfe, Elterntraining und ein bisschen mehr Geld

Von Paula kann man viel lernen. Wie man ein Baby hält. Wie man es beruhigt. Was ein Neugeborenes so braucht. Paula sieht einem Baby ziemlich ähnlich. Innen drin allerdings registriert ein Computerchip ganz genau, ob die Puppe richtig umsorgt wird. Paula ist so etwas wie die jüngste Mitarbeiterin bei „Rat und Hilfe” in Stolberg.

Und auch Paula war Teil einer umfangreichen Bestandsaufnahme.

Frühe Hilfen für Familien sind derzeit ja ein ganz großes Thema. Und auch das Bistum Aachen arbeitet daran, das Profil der acht katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen in der Diözese zu schärfen. Die Arbeit von „Rat und Hilfe” solle stärker ausgerichtet werden an den Bedürfnissen der Familien, erklärt Resi Conrads-Mathar von Diözesancaritasverband, die das Projekt leitet.

Die neue Sozialgesetzgebung belaste Familien, Schwangere und Alleinerziehende massiv, stellt die Fachreferentin fest. „Hartz IV hat heftige Folgen. Immer mehr Frauen und Familien leben am Existenzminimum.” Und sogar für die, die Arbeit haben, wird´s eng. „Da arbeitet der Hauptverdiener 40 Stunden in der Woche, und es reicht nicht, um die Familie satt zu kriegen.”

Auch die Lebenssituation junger Frauen ist oft schwierig, erfahren die Beraterinnen bei „Rat und Hilfe”. Viele junge Frauen leben heute isoliert, haben kaum Rückhalt in Familie und Umfeld. Die Sorge für ein Baby ist da sehr schwierig.

Die neue Konzeption soll die acht Beratungsstellen enger vernetzen, so dass Ideen ausgetauscht und Ressourcen besser genutzt werden können. Denn jede Beratungsstelle hat über die Jahre spezielle Hilfen aufgebaut, maßgeschneidert auf den Bedarf vor Ort. In Stolberg gehört zum Beispiel das Elterntraining zum Profil.

Puppen wie Paula werden - Stichwort „Babybedenkzeit” - bisher vor allem in der Präventionsarbeit mit jungen Leuten eingesetzt. Bei „Rat und Hilfe” in Stolberg allerdings arbeitet Paula mit Schwangeren.

„Wir setzen die Puppe im Elterntraining vor der Geburt ein”, erläutert Claudia Blau vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF), der in Stolberg Träger dieser Beratung ist. Besonders ganz junge Schwangere können mit Paula üben, was nach der Geburt als Ernstfall auf sie zukommt.

Bei „Rat und Hilfe” in der Stadt Aachen hat sich das Thema vorgeburtliche Diagnostik zu einem Schwerpunkt entwickelt, sagt Caritas-Bereichsleiterin Monika Brams.

Durch den medizinischen Fortschritt lassen sich zahlreiche Behinderungen heute schon früh in der Schwangerschaft erkennen. Für die hoffnungsvollen Eltern ist eine mögliche Behinderung ihres Kindes ein schwerer Schock. „Zwei unserer Beraterinnen sind immer erreichbar, wenn Familien Hilfe brauchen nach einer Diagnose”, so Brams.

Die Dürener Beratungsstelle macht gute Erfahrungen mit Außensprechstunden in den Krankenhüsern oder in den Familienzentren. Im Kreis Heinsberg wiederum sind Familienpatenschaften ein Baustein, mit dem Familien entlastet werden. Und in der ländlich geprägten Eifel mit schlechten Verkehrsanbindungen gehören auch Hausbesuche zum Angebot.

Am Profil feilen

An ihrem Profil werden die Beratungsstellen weiter feilen. In Düren etwa planen die Beraterinnen eine eigene Sprechstunde für Frauen mit Migrationshintergrund. Die Aachener möchten beim Thema vorgeburtliche Diagnostik den Kontakt zu den Ärzten intensivieren. Aber klar ist: All das kostet.

Ein Fazit der neuen Konzeption von „Rat und Hilfe” ist daher auch, dass mehr Geld fließen muss, wenn Frühe Hilfen wirksam installiert und vor Ort vernetzt werden sollen.

Claudia Blau in Stolberg könnte gut noch eine Puppe wie Paula gebrauchen. Die Investition von über 700 Euro würden sie wohl gestemmt bekommen. Aber mit der Puppe allein ist es nicht getan. Nötig ist dann auch Personal, das sie einsetzt.