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Aachen: Frauen für Brustkrebszentrum in Aachen

Aachen : Frauen für Brustkrebszentrum in Aachen

„Für die Frauen geht es ums Überleben. Nur die beste Qualität rettet nachweislich Leben! In Aachen kann diese beste Qualität angeboten werden. Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, dass nur nach Qualität bei der Vergabe entschieden wird.”

Mit dramatischen Worten sollen in diesen Tagen Frauen und Männer der ganzen Region Aachen bewogen werden, sich mit ihrer Unterschrift für die Einrichtung eines „Referenzzentrums für das Mammografie-Screening” in Aachen zu erklären.

Initiiert wird die Sammlung - die dann Gesundheitsministerin Ulla Schmidt übergeben werden soll - vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Aachen sowie von den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Aachen, Würselen und Herzogenrath. Sie werden den Bürgerinnen und Bürgern einiges zu erklären haben. Die Sache selbst ist nämlich nicht gerade unkompliziert, das politische Spiel drumherum erst recht nicht.

Bewerber durchgefallen

Von diesem Jahr an sollen in ganz Deutschland alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre in einer Röntgen-Reihenuntersuchung („Mammografie-Screening”) auf Brustkrebs getestet werden. So wurde es im Juni 2002 vom Bundestag einstimmig beschlossen. Für dieses Gesetz hatten auch 50 Fraueninitiativen dieser Region jahrelang gekämpft.

Wie nützlich das Screening wirklich sein kann, ist unter Experten noch immer umstritten. Unbestritten ist aber, dass die Brustkrebs-Versorgung in Deutschland teilweise mangelhaft ist, und dass andererseits der erhebliche Aufwand, der für die Reihenuntersuchung betrieben werden muss, die Qualität der Diagnose insgesamt anheben kann. So weit, so einfach.

Um das Screening in den jeweiligen Regionen nach Qualitäts-Richtlinien auf europäischem Niveau zu organisieren, sollen über Deutschland verteilt sechs „Referenzzentren” eingerichtet werden. Dort werden die Mediziner und ihr Personal geschult, die die Röntgenaufnahmen machen, die Befunde kontrolliert, die Geräte überwacht. Deshalb werden an die Leiter dieser Zentren besonders hohe Anforderungen gestellt.

Das Aachener Frauennetzwerk um die Gewerkschaftsekretärin Gabriele Juraschek-Kraft befürchtet nun, dass „der unstrittig erfahrenste Leiter”, der sich für Aachen beworben hat, nicht zum Zuge kommen könnte.

Dieser Bewerber, Dr. Hans Junkermann, der bislang ein Screening-Modellprojekt in Bremen leitete, ist in der Tat drei Mal nicht zum Zuge gekommen. Und zwar vor dem Gremium, das über die Vergabe der Referenzzentren entscheidet. Das ist der von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung paritätisch besetzte „Beirat der Kooperationsgemeinschaft Mammografie”. Nach einem Krach zwischen Kassen und Ärzten wegen der Art und Weise, wie der durchgefallene Junkermann mit Aachen wieder ins Spiel gebracht wurde, legte der Beirat im Dezember nur fünf Zentren fest. Aachen war nicht dabei. Das sechste Zentrum wurde neu ausgeschrieben.

Beworben dafür hat sich wieder Junkermann mit einem Konzept, das das Uniklinikum und eine radiologische Großpraxis in Aachen einschließt. Konkurrenz ist eine Kölner Kooperation aus Großpraxis und Uniklinik mit einem ähnlichen Konzept. Das Verfahren läuft bis zum 10. Februar; danach soll zügig entschieden werden. Wer das Rennen macht, ist offen.

Die Aachener Fraueninitiativen wollen aber unbedingt das Zentrum in Aachen haben: „Wir haben hier die besten Voraussetzungen. Wir würden den besten Leiter bekommen. Wir verstehen nicht, warum der bisher nicht den Zuschlag bekommen hat.” Das kann sich allerdings gar nicht gegen Köln richten. Es gibt auch gar keinen Anhaltspunkt dafür, dass das dortige Konzept schlechtere Qualität bietet als das Aachener.

Der Protest ist offensichtlich nach rückwärts gerichtet. Die Aachener Frauen zweifeln nämlich die Unbefangenheit des Beirats an, der sich im Dezember statt für Aachen für Münster entschieden hatte. Der dortige Leiter sei nicht qualifiziert genug. Eben das hatte der mit Aachen sehr verbundene Berater von Ulla Schmidt, Karl Lauterbach, damals verbreitet und auf sehr umstrittene Weise mit dafür gesorgt, dass Aachen seine zweite Chance bekam. Ulla Schmidt musste dementieren, dass sie selber in irgendeiner Weise zugunsten ihrer Stadt interveniert habe. Es ist klar geregelt, dass die Entscheidung eine Angelegenheit der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems ist. Da darf man gespannt sein, was Schmidt zur Unterschriftensammlung sagen wird.

Die Aachener Sammlerinnen möchten mit „dem politischen Spiel” nichts zu tun haben, das „über die Köpfe der Frauen” gemacht werde. „Wir haben zehn Jahre gekämpft. Es geht um Menschenleben”, sagen sie.