Frankfurt/Main: Frankfurts großes Stadtgeläute ist auch ein kulturelles Ereignis

Frankfurt/Main: Frankfurts großes Stadtgeläute ist auch ein kulturelles Ereignis

Einem bundesweit wohl einmaligen Ereignis kann man am Karsamstag in Frankfurt am Main lauschen: Von 16.30 Uhr an erklingt eine halbe Stunde lang das sogenannte Große Stadtgeläute zu Ostern. Diese Tradition geht bis ins Jahr 1347 zurück.

Joachim Geiger vom städtischen Dezernat für Finanzen und Kirchen: „Es ist nicht nur ein kirchliches Ereignis, sondern auch ein kulturelles, das viele Menschen auch aus der Region um Frankfurt in die Innenstadt lockt.”

Das Einmalige am Großen Stadtgeläute liege im Zusammenspiel der Glocken aller zehn Kirchen in der Frankfurter Innenstadt, sagte Geiger. Eine nach der anderen erklängen die 50 Glocken, bis sie alle gemeinsam zu hören seien.

Seit 1995 sei das Ereignis zu genießen. In dem Jahr seien neue Glocken in den Turm des Karmeliterklosters gehängt worden. Sie waren die letzten, die rekonstruiert wurden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Glocken durch Bombenangriffe der Alliierten zerstört oder von den Deutschen zur Waffenproduktion eingeschmolzen.

Bei der Rekonstruktion seien die Glocken so gegossen worden, dass ihre individuellen Tonhöhen harmonieren, sagte Geiger. Das Konzept dazu erstellte 1954 der Mainzer Glocken- und Orgelbausachverständige Paul Smets. Computerprogramme in den beteiligten Kirchen steuern den Einsatz der Glocken.

Zu vier bedeutenden Terminen im Kirchenjahr ist das Große Stadtgeläute zu hören: Am Samstag vor dem 1. Advent als Beginn des Kirchenjahres, an Heiligabend, am Tag vor Ostersonntag sowie am Pfingstsamstag. Festgelegt wurden die Termine 1978 vom Frankfurter Magistrat. Er ist seit der Säkularisation 1802, als die Kirchen in städtisches Eigentum übergingen, für die Glocken zuständig.

Als erste Glocke beim Großen Stadtgeläute ertöne stets die sogenannte Bürgerglocke im Turm der Paulskirche, sagte Geiger. Zuletzt stimmten die neun Glocken des Kaiserdoms mit der mächtigen „Gloriosa”, der mit fast zwölf Tonnen zweitgrößten Glocke Deutschlands, in den Vielklang ein. Auf ihnen basiere die Harmonie, berichtete Geiger. Als einzige seien sie im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden, weil eine Bombe den Ofen getroffen habe, in dem sie eingeschmolzen werden sollten.