Eupen: Frank-Thorsten Moll leitet jetzt das ikob in Eupen

Eupen: Frank-Thorsten Moll leitet jetzt das ikob in Eupen

Vom Bodensee an die Wesertalsperre — wenn das kein Sprung ist. „Vom größten deutschen Binnensee an einen Stausee“, sagt Frank-Thorsten Moll und lacht amüsiert. Aber die Entscheidung ist ihm mehr als leicht gefallen, er hat sie ja schließlich selbst getroffen.

Sechs Jahre lang leitete er die Kunstabteilung des Zeppelin Museums in Friedrichshafen, seit dem 1. März ist er nun der frischgebackene Direktor des „ikob — Museum für zeitgenössische Kunst“ in Eupen. Die geografische Veränderung hat er bereits bestens verkraftet: „Als gebürtiger Schwarzwälder komme ich hier gut zurecht“, sagt er. Fehlen in den ostbelgischen Wald- und Venngebieten eigentlich nur gewisse Erhebungen.

Der 39-Jährige hat die Nachfolge von Maïté Vissault angetreten und ist damit nach dem Bütgenbacher ikob-Gründervater Francis Feidler der dritte Leiter des Museums, das 1993 als Kunstzentrum für Ostbelgien eröffnet wurde. Nach vielen Jahren des Vagabundierens an unterschiedlichen Orten ist es seit dem Jahr 2000 in einem eigenen Domizil angesiedelt: in einem umgebauten ehemaligen Bürogebäude am Ro-tenberg 12B in Eupen.

Eine international bekannte Adresse mit weithin beachteten Ausstellungen. Und das Haus kann seit 2004 sogar mit einer eigenen Sammlung aufwarten: Dazu gehören Werke von so namhaften Künstlern wie Jacques Charlier, Günther Förg, Johan Tahon und selbst solch einem Star wie Jonathan Meese.

Hier scheint immer die Sonne

Der ultimative Vorteil der Location: Hier scheint immer die Sonne! Im unteren Teil des Museums residiert ein einschlägiges Studio — auch an diesem Tag fleißig frequentiert von vorwiegend jungen Damen mit bereits beneidenswert dunklem Teint. „Das Sonnenstudio hat am Ende mehr Besucher als du!“, frotzelten Molls Freunde schon — aber im Ernst: Auch darüber kann der sympathische Mann aus dem Badischen nur lachen.

Was aber mag einen ehemaligen Kurator der Kestnergesellschaft Hannover (2006 bis 2009) nach Ostbelgien ziehen? „Es ist die Grenzlage“, erklärt der studierte Kunstwissenschaftler und Medientheoretiker. Das Dreiländereck mit seinen vielen Bezügen empfindet er als ein einziges großes kreatives Potenzial. Und für sich selbst als interessante neue Herausforderung.

„Das war Liebe auf den ersten Blick“, so beschreibt er die Begegnungen mit dem ikob in Gestalt des Verwaltungsrates. Das Konzept und die Vorstellungen Molls sind offenbar auf Anhieb gut angekommen bei den Verantwortlichen. Drei Präsentationen plant er pro Jahr — eine große Ausstellung in der Jahresmitte, davor eine mit einem bekannten Künstler, die dritte mit einem Newcomer. Und alle sollen einer bestimmten Thematik, einem Jahresprogramm gewidmet sein.

„Ich arbeite themenorientiert“, sagt Moll. Um handfeste gesellschaftpolitische Themen soll es gehen. „Ich weiß, dass Kunst nicht die Welt verändern kann. Wir werden hier nicht als dauernde Mahner auftreten.“ Allerdings soll schon deutlich werden, warum es gerade heute wichtig und sinnvoll ist, ein Museum zu unterhalten. Ausdrücklich Stellung beziehen zu Fragen der Zeit, zu Problemen, die den Menschen auf den Nägeln brennen, will fortan das ikob.

„Ressentiments, Mut, Müdigkeit“ — das sind die Themen, die Frank-Thorsten Moll erklärtermaßen umtreiben. „Das Thema Empathie empfinde ich als besonders wichtig“, sagt er mit Blick auf jene Rechtspopulisten, die Empathie, Mitgefühl, im großen Maßstab am liebsten abschaffen würden.

Bei seiner Arbeit fühlt er sich dabei einem Kunstverein näher als einem Museum. Die Grundfinanzierung besorgt die Deutschsprachige Gemeinschaft — Sponsoren sind also mehr als willkommen. 15.000 Besucher verzeichnete das ikob im letzten Jahr — im Zeppelin Museum standen sich im gleichen Zeitraum sagenhafte 230.000 Menschen quasi auf den Füßen. Allerdings, gibt Moll unumwunden zu, von denen war der überwiegende Teil an Technik und Luftschiffen interessiert. Nur 20.000 fanden den Weg auch in die Kunstabteilung des Hauses. Die war eigentlich von Anfang an, seit 1948, fester Bestandteil des Museums am Bodensee.

Als nächstes Eric Peters

Ausstellungen zur Fotografiegeschichte, zu Themen wie „Die Pneumatik in der zeitgenössischen Kunst“, „Luftkunst“ betitelt, unabhängige Projekte mit jungen Künstlern aus Karlsruhe, Stuttgart und Zürich und monografische Präsentationen zu Ré Soupault und Anton Stankowski — damit festigte Moll das zweite Standbein des Zeppelin Museums. In der Euregio will er zu Beginn Akzente setzen mit einem norddeutschen Künstler, der eine gewisse surrealistische Affinität zur belgischen Kunst nicht verleugnen kann. Er muss nur noch zusagen.

Die allernächste Ausstellung ist indessen einem Aachener Künstler gewidmet, Francis Feidler hat sie noch selbst eingefädelt: Eric Peters wird eine Auswahl seiner Werke vom 24. April bis zum 10. Juli im ikob präsentieren.

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