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Aachen: Fouad El-Auwad will mit Lyrik für Begegnung und Verständigung sorgen

Aachen : Fouad El-Auwad will mit Lyrik für Begegnung und Verständigung sorgen

„Am größten ist meine Sehnsucht nach Frieden“, sagt Fouad El-Auwad. Der Deutsch-Syrer, der Anfang der 80er Jahre nach Deutschland kam, kennt nach eigener Aussage kein Heimweh, „obwohl ich viele und sehr lebendige Erinnerungen an meine Kindheit in Damaskus habe“. Heute sei Aachen seine Heimat, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „da, wo ich zufrieden und sicher lebe“.

Am Donnerstag, 9. November, lädt El-Auwad zu einem deutsch-arabischen Lyrik-Salon ins Aachener Haus Löwenstein ein. 13 Dichter aus Syrien, dem kurdischen Nordirak, der Schweiz und Deutschland werden aus ihren Werken lesen — jeweils in ihrer Muttersprache. Seit 2005 organisiert der Lyriker jedes Jahr solche kulturellen Begegnungsabende.

El-Auwad setzt auf die Kraft der Literatur; die sei stärker als jene der Politik. „Ich bin kein Freund von fruchtlosen politischen Begegnungen. Politik ist notwendig, aber sie allein erreicht keine Verständigung der Völker. Da braucht man andere Mitspieler.“ Er denkt dabei an Künstler aller Metiers; mit seiner Initiative setzt er vor allem auf Lyrik und Musik. „Poeten gehen ohne politische Verständigung auf den anderen zu.“

Alle Gedichte, die am 9. November in Aachen vorgetragen werden, hat El-Auwad ins Arabische und ins Deutsche übersetzt. „Jeder soll verstehen, worum es geht. Beide Sprachen sind Sprachen der Philosophie und der Poesie.“ Seine eigenen Gedichte schreibt El-Auwad nur auf Deutsch. „Ich denke und träume auf Deutsch. Mein Alltag ist deutsch.“

Als er vor 35 Jahren nach Deutschland kam, wollte er Musik studieren oder Schauspieler werden. In den 90er Jahren studierte El-Auwad, der die deutsche und die syrische Staatsbürgerschaft hat, Architektur in Aachen; seit 2008 lebt er wieder hier. Und vier seiner acht Geschwister leben mittlerweile auch in der Kaiserstadt. Er hat für die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben und Gedichte in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht.

El-Auwad wurde 1965 in Damaskus geboren und wuchs in einer christlichen Familie auf. Seine Mutter lebt nach wie vor in der syrischen Hauptstadt. Seit Anfang des syrischen Bürgerkriegs hat er sie nicht mehr gesehen. Sie telefonieren viel. „Meine Familie lebt dort als Minderheit in ständiger in Angst, in sehr schwierigen Verhältnissen.“

Er selbst war zuletzt vor sechs Jahren in seiner Geburtsstadt. „Es ist zu gefährlich, dorthin zu reisen.“ Als Autor sei er zusätzlich gefährdet. „Ich stehe weder auf Seite des Assad-Regimes noch auf der der Opposition.“ Er wisse nicht, auf welche Kräfte man dort setzen soll, um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu erreichen.

„Aufgrund ihrer Universalität und der Sinnlichkeit ihrer Bilder ist die Sprache der Poesie in der Lage, einen lebendigen Dialog zwischen den Kulturen zu stiften“, meint El-Auwad. Das Publikum für Lyrik sei besonders aufgeschlossen. „Die Sprache der Lyrik kann große Wirkung auf Menschen haben; sie kann Gefühle hervorrufen wie die Musik.“ Arabische Lyriker tragen laut El-Auwad ihre Gedichte wie ein Sänger vor. „Das ist eine Art, die in Europa gar nicht existiert.“

„Aufs Kennenlernen kommt es an; anders können wir Verständigung und Versöhnung nicht erreichen. Wir müssen viel tun, und wir können viel tun — mit Lyrik, mit Musik, aber auch mit Bilder-Ausstellungen.“ El-Auwad hat das im Dezember 2006 in seiner Heimatstadt Damaskus erlebt. Damals kamen auf Einladung des Goethe-Instituts und des syrischen Kulturministeriums an einem Abend drei- bis viertausend Zuhörer zu seinem Lyrik-Salon. „Es war eine herzliche Atmosphäre. Viele Teilnehmer auf der Bühne — aus Europa wie dem arabischen Raum — hatten Tränen in den Augen. So kommt man sich wirklich näher; so baut man Angst ab.“

Der Lyrik-Salon hängt allein von ihm ab. Er organisiert und finanziert alles selbst, wird etwas unterstützt von den jeweiligen Städten und Kulturstiftungen. El-Auwad ist sich bewusst, dass dieses Angebot nur einen sehr ausgewählten Kreis erreicht, aber er will jede Chance nutzen. Er begeistert und motiviert sich selbst: „Auch wenn nur zwei kommen, ist es ein gutes Publikum.“ Als er im Mai mit dem Lyrik-Salon in Dresden war, kamen 200 Zuhörer.

Deutsch-arabischer Lyrik-Salon am Donnerstag, 9. November, um 19.30 Uhr in Aachen, im Haus Löwenstein am Marktplatz (Einlass ab 19 Uhr). Karten für zehn Euro gibt es ausschließlich an der Abendkasse.