Aachen: Flucht vom Nichts ins Nichts

Aachen: Flucht vom Nichts ins Nichts

Schockieren möchte Rafael Ramirez mit seinen Bildern nicht. Das Grauen ist nicht sein Thema. Und auch die Frage nach Schuld stellt der Maler nicht. Dinge wie diese muss Ramirez häufig klarstellen. Denn sein Thema ist der Holocaust.

Ramirez, als Sohn des Malers Antonio Máro in Peru geboren, lebt heute in Belgien. In der kommenden Woche wird er Teile seines „Holocaust-Zyklus” in Aachen ausstellen. Technisch sind die Werke am Barock orientiert. „Keine Epoche wollte so sehr das Leben zeigen wie diese”, sagt Ramirez.

Die industrialisierte Massentötung von Millionen Menschen thematisieren, um das Leben zu zeigen? Der Künstler fühlt sich häufig falsch verstanden. Seinen Holocaust-Zyklus, an dem er seit 26 Jahren arbeitet, sieht er als Gegenentwurf zu authentischem Fotomaterial. „Denn dadurch, dass die Opfer zu Dokumenten der Zeitgeschichte wurden, wurden sie ein zweites Mal entmenschlicht”, glaubt Ramirez.

Seine Werke, 17 von ihnen werden kommende Woche gezeigt, sind oft reich an Symbolik. „Allegorie” ist angelegt als Altarbild - aufgerichtet zu einem zehn Meter hohen Schlot. Links und rechts durch graues Tuch erweitert, erstreckt sich „Ohne Worte” über eine Breite von sechs Metern. Dem Betrachter zeigen sich Menschen, die aus dem Nichts ins Nichts eilen. „Das Böse ist trivial, das Leben ist subtil. Und es führt in die Unendlichkeit”, sagt der gläubige Christ. „Das ist mein Thema.”

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