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Fledermaus-Spucke gegen Schlaganfall

Fledermaus-Spucke gegen Schlaganfall

Aachen (an-o) - Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Denn schon drei Stunden nach Auftreten der ersten Symptome ist eine Therapie aussichtslos. Ein Enzym aus dem Speichel der Vampirfledermaus soll die Behandlung revolutionieren.

Das Aachener Pharma-Unternehmen Paion will sich der natürlichen Wirkung des Enzyms Desmoteplase (DSPA) bedienen, um Patienten bis zu neun Stunden nach einem Schlaganfall therapieren zu können.

"Innerhalb dieses Zeitraums kommen die meisten Betroffenen ins Krankenhaus", erklärt Mariola Söhngen, Biomedizinerin und Geschäftsführerin der Paion GmbH. Noch sei kaum ein Patient in der Lage, rechtzeitig seinen Arzt aufzusuchen: "Der Schlaganfall ist oft nur sehr schwer zu erkennen. Die möglichen Symptome reichen vom leichten Schwindel über Taubheitsgefühle bis hin zu Sehschwächen. Wer sich dann erst einmal ins Bett legt, hat am nächsten Morgen einen schweren Schlaganfall", warnt Söhngen.

Der Speichel von Fledermäusen könnte nun Abhilfe schaffen: In der Natur ermöglicht das Gerinnsel-auflösende Enzym DSPA den südamerikanischen Vampir-Fledermäusen, sich von dem Blut ihrer Opfer zu ernähren. Nach dem Biss gerinnt das Blut nicht, weil DSPA gezielt Fibrin zerstört, welches die Gerüststruktur von Blutgerinnseln bildet. Genau diese Gerinnsel sind es, die auch einen Schlaganfall auslösen, indem sie den Blutzufluss zum Gehirn blockieren. Das empfindliche Nervengewebe stirbt schnell ab, so dass schwerste Folgen bis hin zum Tod drohen.

Blutgerinnsel bekämpfen

Erste klinische Studien bestärken nun die Aachener Mediziner in ihrer Hoffnung, dass DSPA auch im menschlichen Körper Blutgerinnsel wirksam bekämpfen könnte. ."Eine internationale Forschungsreihe mit knapp 100 Patienten haben wir erfolgreich beendet", erklärt Professor Werner Hacke, Direktor der Neurologischen Klinik an der Universität Heidelberg.

Nun werde das Präparat in einer weiteren großen Studie auf die Markteinführung im Jahre 2007 vorbereitet. Inzwischen lasse sich das Enzym problemlos in Zellkulturen herstellen. Derzeit könnten Patienten nur mit dem Medikament rt-PA behandelt werden. "Das führt allerdings oftmals zu den gefürchteten inneren Blutungen", so Hacke.

Der Wissenschaftler fordert eine grundlegende Bewusstseinsänderung: Die Bevölkerung müsse im Umgang mit dem Schlaganfall weiter sensibilisiert und geschult werden. Hacke:" Bei einem Stechen in der Brust denkt jeder sofort an den Herzinfarkt - der Schlaganfall hingegen wird oft verkannt und verharmlost."