Inszenierung am Theater Aachen: Flapsig, flott und dabei scharf durchdacht

Inszenierung am Theater Aachen : Flapsig, flott und dabei scharf durchdacht

Christian von Treskow inszeniert „Am Königsweg“ von der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek im Theater Aachen. Das ergibt viel Gesellschaftskritik zusammen mit Ironie und Witz.

„Der Text ist fertig, ich habe alles gegeben! Nun macht etwas daraus, ihr Theaterleute!“ So oder ähnlich könnte die Aufforderung der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek (72) lauten, mit der sie ihrem Mammut-Monolog „Am Königsweg“ in die Welt entlässt. Für das Theater Aachen hat es Christian von Treskow übernommen, das jüngste Werk der Nobelpreisträgerin in Szene zu setzen, das 2017 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg von Falk Richter uraufgeführt wurde und auf der Bühne des Theaters Aachen am Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, Premiere hat.

Auf gut 92 eng beschriebenen Seiten bietet „Am Königsweg“ lediglich ein paar Absätze – keine Rollenverteilung, keine Bühnengestaltung, nichts, keinerlei Hinweise, wie und ob es zu spielen ist. Damit bietet sich jedem Theater die Chance einer eigenen „Uraufführung“, denn alle werden sie individuelle Lösungen suchen müssen. Für von Treskow eine spannende Herausforderung, der er sich zusammen mit Dramaturgin Inge Zeppenfeld stellt. Inzwischen haben sie und das Ensemble erfahren, welchen Sog der Text ausübt, wie viel Ironie und Witz darin steckt, wie sehr die sprachliche Raffinesse und der scharfe Verstand der Österreicherin, die übrigens 1994 in Aachen den Walter-Hasenclever-Preis entgegennahm, die Form des Schauspiels verlangen.

Wer ist dieser „König“? Ganz klar. Es geht um US-Präsident Donald Trump und zugleich um den Sumpf  aus erstarkendem Rechtspopulismus, Gewaltbereitschaft, offenem Rassismus, Sexismus, Chauvinismus und einer in sich tief gespaltenen Gesellschaft der solch einen zerstörerischen  Beherrscher  erst wachsen und gedeihen lässt, ihm den „Königsweg“ bereitet

Was Elfriede Jelinek am Wahlabend mit Donald Trumps Triumph begonnen und schon kurze Zeit später fertiggestellt hat, wirkt spontan, oft flapsig, mit Sprüchen wie „Twitter, twatter und ab die Post!“, flott und frech. Dabei ist nichts darin Zufall, und oft hört man Trump-Redensarten. „Man darf sich nicht täuschen lassen, das meiste ist sehr scharf durchdacht“, betont von Treskow, der aus sechs Lesestunden einen gut zweistündigen Theaterabend formen wird.

Was von Treskow in Jelineks Werk sieht: „Es findet eine Umkehr der Zivilisation statt.“ Und: „Mit Scham und einem Bewusstsein von Peinlichkeit setzt Zivilisation ein, aber bei Trump ist das anders.“ So sind Regie-Bausteine in Aachen gesellschaftliche Formationen wie Familie, Nachbarschaft, Arbeitsumgebung, Schule. „Orte der Zivilisation werden zu Orten, an denen Gewalt entsteht“, meint er. Von Treskow kann einen „melancholischen Zorn und eine Bitterkeit“ herausspüren, die es, so meint er, bisher bei Elfriede Jelinek nicht gab. „Am Königsweg“ stellt viele Fragen – unmissverständlich.

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