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Ansbach: Findling mit Schlagern: Musical über Caspar Hauser

Ansbach : Findling mit Schlagern: Musical über Caspar Hauser

Mit einer flotten Inszenierung hat der junge Kölner Dramaturg Heiko A. Neher am Montagabend der von Geheimnissen umrankten Diskussion um die Herkunft des Findlings Kaspar Hauser ein Stück des Musiktheaters hinzugefügt.

Die Uraufführung von „Caspar Hauser - Das Musical” riss das Publikum immer wieder zu spontanen Szenenbeifall und langem Schlussapplaus hin. Das mit wenig Geld, aber viel Liebe von jungen Talenten im Rahmen der Ansbacher Kaspar-Hauser-Festspiele inszenierte Stück verdiene weitere Aufführungschancen, urteilten Zuschauer.

Neher selbst und seine Truppe hoffen auf dauerhafte Auftrittsmöglichkeiten in einem festen Haus in Nürnberg oder Stuttgart.

Der Autor greift die nach wie vor umstrittene Sichtweise auf, wonach Kaspar Hauser das Opfer eines Erbfolgestreits im badischen Herzoghaus Anfang des 19. Jahrhunderts war. Dabei lässt er die Geschichte aus dem Blickwinkel einer mutmaßlichen Urheberin der Hauser-Intrige erzählen, der Gräfin Hochberg (Jeanne-Marie Nigl).

Stimmgewaltig fädelt sie auf der Bühne das Komplott ein, das später ihrem Sohn die Herzogswürde sichern soll.Überzeugend setzte auch Stefan Poslovski die Wandlung Kaspar Hausers vom scheuen Tier-Menschen zum ebenso aufgeweckten wie sensiblen Zögling auf der Bühne des Ansbacher Onoldia-Hauses um.

Der Komponist und Liedtextautor Neher, der die Sänger am Klavier begleitete, lieferte insgesamt eine musikalisch differenzierte und unterhaltsame Bühnenerzählung. Im Bemühen um „Ohrwürmer” mutete die Inszenierung aber gelegentlich wie eine Schlagerrevue an.