Aachen: Filmemacher Wisam Zureik zeigt im Apollo-Kino seine neue Dokumentation

Aachen: Filmemacher Wisam Zureik zeigt im Apollo-Kino seine neue Dokumentation

Wisam Zureik dreht in Aachen selbständig Image- und Werbefilme — „für die Miete“. Am Freitag stellt er im Apollo-Kino (20 Uhr) sein Herzensprojekt vor: „Heimat am Rande“, eine Dokumentation über israelische Palästinenser. Drei interessante Porträts, die überraschend zurückhaltend ganz besondere Lebensumstände erleben lassen.

Der Film beleuchtet zum einen die Situation von Taisier. Seine Gedanken drehen sich um die Schwierigkeiten, als israelischer Staatsbürger mit palästinensischer Herkunft in Akka am Mittelmeer ein Haus zu bekommen und es behalten zu können. Zudem ist er mit einer Palästinenserin aus dem Westjordanland verheiratet. Während er als einer der 20 Prozent israelischen Palästinenser täglich Benachteiligungen erfährt, hat sie trotz Aufenthaltserlaubnis noch weniger Rechte, ihr Führerschein gilt zum Beispiel nicht. An den vielen militärischen Checkpoint, die das Land durchziehen, muss sie durch eine besonders harte Kontrolle.

Zureik erzählt auch die Geschichte von dem 18-jährige Noman, der in dem nicht anerkannten arabischen Dorf Wade el Neam in der israelischen Halbwüste lebt. Über 100.000 Menschen haben hier keinen Zugang zu Wasser, Strom, Straßen und Bildung.

Das dritte Porträt ist das der alten Gamileh aus Arrabeh in Nordisrael. Sie wurde mit ihrer Trauer um ihren 17-jährigen Sohn weltbekannt. Asiel wurde 2000 während einer Demonstration vor ihren Augen von israelischen Polizisten erschossen.

Der Filmemacher Wisam Zureik ist selbst in Israel geborener Palästinenser, der in Aachen lebt. 10.000 Euro bekam er für sein Projekt „Heimat am Rande“ über Crowdfunding zusammen, danach stieg Markus Belde mit der Aachener Produktion Zinnober („Zwei Leben“) als Produzent und für den Schnitt ein. Worauf auch die Filmstiftung den Film förderte. Nach zwei Jahren Vorbereitung und zwei Wochen Recherche vor Ort folgten vier Wochen Dreh. Das nicht nur für das relativ geringe Budget eindrucksvolle und professionelle Ergebnis stellt drei Menschen in Israel vor, ohne Propaganda zu machen. Die Lebensumstände sind erschreckend. Doch die politischen Hintergründe werden nicht erläutert.

Dabei ist neben den interessanten Porträts, der tollen Kamera und dem packenden Schnitt auch die Haltung und Grundidee des Filmemachers mit den zwei Heimaten interessant: „Meine Haltung ist klar: Die Palästinenser in Israel werden ungerecht behandelt, als Bürger zweiter Klasse.“ Trotzdem ist „Heimat am Rande“ keiner der einseitigen (An-)Klagen gegen den jeweiligen Gegner im Nahost-Konflikt. Wisam Zureik wollte „den Palästinensern einen anderen Look geben“. Denn üblicherweise „sieht man diese Menschen in den Medien nur, wenn die Situation eskaliert. Das sind keine schönen Bilder.“ Der Regisseur blieb mit seinem Film näher an den Protagonisten. „Informationen kriegt man überall, ich wollte eher Emotionen zeigen.“

Angesprochen auf viele Spiel- und Dokumentarfilme zu diesem Themenkomplex etwa von seinem israelischen Landsmann Eran Rikis mit „Die syrische Braut“ bis zu der Doku „Gaza Surf Club“ meint Zureik „es müssen einfach verschiedene Filme gemacht werden. Filme, die auf Hoffnung und Frieden bauen, sollte man machen.“ Eine Lösung hat er zwar auch nicht, jetzt wo ein neues israelisches Gesetz auch noch andere Sprachen als Hebräisch von der Bürgerbeteiligung ausschließt. Doch Film und das Gespräch mit ihm vermitteln trotzdem Einsichten und Möglichkeiten.

Zureik geht nach der Weltpremiere am Freitag im Apollo mit seinem Film bis zum Jahresende auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er möchte bei jeder Vorführung zum anschließenden Gespräch bereitstehen. Eine Zusatzvorstellung findet im Apollo-Kino am 27. September um 20 Uhr statt. Am 7. November ist „Heimat am Rande“ dann noch in Aachen an der KHG zu sehen.

Mehr von Aachener Zeitung