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Heimbach: Feuerwerk an hochvirtuoser Spiellaune bei „Spannungen”

Heimbach : Feuerwerk an hochvirtuoser Spiellaune bei „Spannungen”

Mit einer ausladenden ungarisch-böhmischen Werkfolge eröffnete Lars Vogt mit seinen Freunden offiziell das 12. Festival „Spannungen - Musik im Kraftwerk Heimbach”.

Vorangegangen waren ein Sponsorenkonzert und zwei Vorspannprojekte. Das zweite bestritt der für seine aufgeschlossenen Programme und seine eigenwilligen Interpretationen bekannte Bariton Dietrich Henschel mit den Pianisten Lars Vogt und Shai Wosner.

Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ Henschel mit einem ungemein spannenden und differenzierten Vortrag der Sechs Monologe aus „Jedermann” des Schweizers Frank Martin, kongenial begleitet von Vogt.

In Viktor Ullmanns im Lager Theresienstadt entstandenem Melodram „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke” begnügte sich der Sänger mit einer intelligenten Rezitation, die er noch durch Auszüge aus Rilkes Prosadichtung ergänzte.

Die wesentlichen künstlerischen Akzente setzte hier aber der Pianist Shai Wosner, der seinen diffizilen, stilistisch vielfältig verästelten Part mit bewunderungswürdiger Versiertheit gestaltete. Eine Rolle, in der er wesentlich stärker überzeugte als tags zuvor mit seiner überspannten Schubert-Interpretation.

Abgesehen von Dvoráks großem Klaviertrio in f-Moll op. 65, mit dem Lars Vogt, Carolin Widmann (Violine) und Christian Poltra (Violoncello) den ersten offiziellen Abend glanzvoll beendeten, bestand das Programm des Auftakts ausschließlich aus Raritäten. Angesichts der kompositorischen Meisterschaft, die etwa Zoltán Kodálys großangelegtes Duo für Violine und Violoncello op. 7 auszeichnet, ist es unverständlich, dass das trotz der schlichten Besetzung so farbige und emotional aufwühlende Werk so selten zu hören ist. Bietet es doch den Streichern dankbare Aufgaben in Hülle und Fülle, die der Geiger Florian Donderer und als Heimbacher Stammgast die Cellistin Tanja Tetzlaff reichlich nutzten.

So gut wie die Uraufführung

Ein funkensprühendes Feuerwerk an hochvirtuoser Spiellaune, das in seiner optimistischen Ausstrahlung gar nicht zur Stimmungslage Bla Bartóks passen will, als er 1939 sein Exil in den Vereinigten Staaten vorbereitete, bieten die „Kontraste” für Violine, Klarinette und Klavier, die Bartók in New York niemand Geringerem als dem Klarinettisten Benny Goodman, dem Geiger Joseph Szigeti und nicht zuletzt sich selbst in die Finger schrieb.

Es spricht für das Niveau des Heimbacher Festivals, dass sich die Interpretation durch Carolin Widmann (Violine), Jörg Widmann (Klarinette) und Lars Vogt mit der der prominenten Uraufführungsbesetzung, die als Tondokument verfügbar ist, vollauf messen kann.

Was Stimmung, Publikumsandrang (trotz einiger leerer Plätze im zweiten Vorspannkonzert), künstlerische Qualität und familiäre Atmosphäre angeht, hat sich bis jetzt nichts gegenüber den Vorjahren geändert. Allerdings stehen einige gravierende Personalwechsel in der Organisation durch den Dürener Kunstförderverein bevor. So wird Gerhard Quitmann den Vorsitz der Organisation demnächst nach zwölf erfolgreichen Jahren in die Hände von Hans-Joachim Güttler legen, dafür allerdings den stellvertretenden Vorsitz einnehmen. Und Pressesprecher Lorenz P. Johannsen, der sich ebenso lange rührend um die Öffentlichkeitsarbeit und die Journalisten aus nah und fern kümmerte, wird die Konzerte der nächsten Staffeln als Musikfreund ohne aufreibende Verpflichtungen genießen können.

Am Mittwochabend präsentiert sich den Hörern ein besonders buntes Programm mit Werken von Schumann über Janácek und Alban Berg bis hin zu Aribert Reimann. Beginn: 20 Uhr.