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Aachen: Feidman im Dom: Zwischen Trauer und Hoffnung

Aachen : Feidman im Dom: Zwischen Trauer und Hoffnung

Leise, kaum vernehmbare Klarinettentöne wehten geheimnisvoll durch den Aachener Dom, dessen Mosaiken in neuer goldener Pracht leuchten. Giora Feidman schritt langsam aus Richtung Chorhalle in das Oktogon und blies Klezmer-Melodien.

Es klang wie von weit her, mit jener typischen Mischung aus Sehnsucht, Trauer und Hoffnung. Ein magischer Moment. „Frieden für Jerusalem” war das Motto eines Benefizkonzerts im Dom, dessen Erlös der Schmidt-Schule in Jerusalem zukommt, die im Jahre 1886 von dem deutschen Lazaristenpater Wilhelm Schmidt gegründet worden war und nun ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Heute werden hier 540 palestinensische Mädchen unterrichtet. Eine Veranstaltung, die dem Frieden und der Aussöhnung der Religionen gewidmet war. Und hierzu war einiges aufgeboten worden.

Das Staatsorchester Kassel musizierte unter der Leitung des 24-jährigen israelisch-amerikanischen Dirigenten Yoel Gamzou, diverse Solisten boten zusammen mit dem Orchester oder solistisch Buntgemischtes. Es war, dem Anlass und Zweck geschuldet, ein Wunschkonzert-Programm, in das das Publikum mit einbezogen wurde.

Collage der Nationalhymnen

So forderte Giora Feidmann die Hörer auf, beim langsamen Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert mitzusingen. Das war sicher grenzwertig, unterstrich aber andererseits wieder den Versöhnungscharakter dieses Konzerts, in dem christliche, jüdische und arabische kulturelle Aspekte in einem christlichen Gotteshaus zusammengeführt wurden. Nicht zuletzt in einer von Feidman arrangierten Collage der deutschen, israelischen und palestinensischen Nationalhymnen, die er zusammen mit dem Orchester spielte, ebenso wie das mitreißende Klezmer-Arrangement.

Der ungarische Geiger József Lendvay spielte tonschön und sorgfältig phrasiert drei Sätze aus Johann Sebastian Bachs d-Moll-Partita für Violine solo, die Münchnerin Babette Haag ein meditatives „Little Prayer” für Marimbaphon von Evelyn Glennie, der portugiesische Geiger Afonso Fesch zusammen mit dem Kasseler Staatsorchester Ernest Chaussons „Poème” für Violine und Orchester mit intensiver und leuchtender Tongebung.

Das Orchester präsentierte sich unter Gamzous exzessivem Dirigat mit stilistisch anfechtbaren Wiedergaben von Johannes Brahms Tragischer Ouvertüre und Gustav Mahlers Adagietto aus der 5. Symphonie und schließlich Carl Maria von Webers Freischütz-Ouvertüre. Das Anrührendste dieses langen Abends: der Auftritt des Mädchenchores der Schmidt-Schule Jerusalem unter der Leitung von Karl Kronthaler.

Die jungen Damen pflegen mit ihren kehligen Stimmen ein im Vergleich zu westeuropäischen Chören völlig unterschiedliches Klangideal. Dass sie dabei als Palestinenserinnen überwiegend christlich-religiöse Vokalliteratur sangen, unterstrich den Begegnungscharakter dieses Abends.