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Lüttich: „Fausts Verdammnis“ in Lüttich: Romantischer Traum mit weichen Klängen

Lüttich : „Fausts Verdammnis“ in Lüttich: Romantischer Traum mit weichen Klängen

Die Starparade in der Opéra Royal de Wallonie zu Lüttich reißt nicht ab. Nach José Cura und Leo Nucci folgten jetzt Ruggero Raimondi und Ildebrando D’Arcangelo dem Ruf des gut vernetzten Intendanten Stefano Mazzonis di Pralafera.

Raimondi, der Modell-Don-Giovanni von einst, gastiert als Regisseur und D’Arcangelo, der Star-Don-Giovanni von heute, in der Rolle des finsteren Méphistophélès in Hector Berlioz‘ „Légende dramatique“ „La Damnation de Faust“ (Fausts Verdammnis).

Raimondi stand in Lüttich bereits als Scarpia in der „Tosca“ auf der Bühne und inszenierte dort schon Verdis „Attila“. Mit Berlioz‘ Faust-Version nahm er sich jetzt einen besonders schweren Brocken vor, den der Komponist überhaupt nicht für szenische Aufführungen gedacht hatte. Auch wenn sich die Handlung trotz einiger gravierender Abweichungen im Wesentlichen an den ersten Teil von Goethes „Faust“ orientiert und der Ungarische Marsch sowie einige Chorpassagen dramatische Impulse auslösen, handelt es sich doch weitgehend um ein aktionsarmes, introvertiertes Werk, um eine „Tragédie Lyrique“ in gesteigerter Form.

Vor allem der Titelfigur fehlt jede drängende, kraftvolle Energie, sie ergeht sich in etlichen Sehnsüchten, die lediglich durch die herbe Instrumentation davor gewahrt bleibt, sich in Sentimentalitäten zu verlieren. Recht statuarisch und wenig schillernd ist die Partie des Méphistophélès angelegt, mit langen lyrischen Gesängen die der Marguerite.

Schemenhafte Figuren

Dass die Inszenierung von Ruggero Raimondi unter diesen Aspekten statisch wirkt, ist zu einem großen Teil dem Werk anzulasten. Raimondi versucht gar nicht erst, die mangelnde Dynamik künstlich aufzublähen und präsentiert das Werk als einen somnambulen Traum, in dem sich die Figuren hinter Schleiern in dunklen Lichtschattierungen schemenhaft bewegen. Angesiedelt in romantischen Projektionen von Daniel Bianco nach Bildvorlagen des belgischen Malers Eugène Frey. Ein romantisches Nachtstück mit starken optischen Reizen, die aber den Blick auf die Figuren buchstäblich vernebeln.

Der narkotisierenden Wirkung der Inszenierung schließt sich auch Patrick Davin am Pult des Orchesters der Lütticher Oper an. Weiche Klänge und moderate Tempi beherrschen den Abend. Sehr zum Segen der Sänger, die ihre lyrischen Qualitäten problemlos ausspielen können. Das gelingt Paul Groves in der Titelrolle nahezu makellos. Nicht restlos überzeugen kann dagegen Nino Surguladze als Marguerite, die ein Wechselbad aus traumhaft schönen Gesangslinien in der Mittellage und extremen Härten in höheren Regionen bietet.

Ildebrando D’Arcangelo lässt als Méphistophélès seinen mächtigen Bariton rund und kernig erklingen, vermag aber der etwas eindimensional angelegten Rolle keine hintergründigen Nuancen abzugewinnen. Insgesamt also eine interessante, hochwertige Produktion, die die Probleme des Werks freilich eher aufdeckt als überspielt.

Die nächsten Aufführungen von „Fausts Verdammnis“ im Königlichen Opernhaus Lüttich: heute sowie am 31. Januar und am 2. und 5. Februar.