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Aachen: Faszinierende Zeitreise mit dem weißen Elefanten

Aachen : Faszinierende Zeitreise mit dem weißen Elefanten

Es ist die weltweit erste Schau dieser Art und zugleich das größte Ausstellungsprojekt für die in diesen Dingen nicht erst seit „Krönungen” im vergangenen Jahr erfahrene Stadt Aachen.

„Ex oriente - Isaak und der weiße Elefant” verknüpft vom 30. Juni (erster Publikumstag) bis 28. September nicht nur die Städte Aachen, Jerusalem und Bagdad, sondern auch christliche, jüdische und muslimische Religion.

In Rathaus, Dom und Schatzkammer werden über 700 Objekte von 141 Leihgebern aus 33 Ländern zu sehen sein. Ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung. Einer der Kooperationspartner neben Stadt und Domkapitel ist die Fachhochschule Düsseldorf.

Die weltpolitischen Lage sorgt zurzeit für zusätzliche Brisanz, doch die Aussteller bleiben gelassen und hoffen, dass hierdurch Interesse und Bereitschaft zum gegenseitigen Verstehen noch sogar erhöht werden: „Ex oriente”, ein außergewöhnliches Ausstellungsprojekt, das die Stadt Aachen zusammen mit Domkapitel und Fachhochschule Düsseldorf jetzt realisiert - Kosten rund 1,6 Millionen Euro, die nur durch Sponsoren wie die Sparkasse Aachen und die Aachener und Münchener Versicherungen bewältigt werden konnte, wie Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen am Mittwoch bei einem ersten Blick auf die Planungen versicherte.

Ab 30. Juni (29. Juni Eröffnung mit geladenen Gästen) bis 28. September wird in Rathaus, Schatzkammer und Dom einem kulturell wie religiös faszinierender „Weg” nachgespürt, der im Jahre 797 beginnt und bis ins gegenwärtigen Heute führt.

Damals schickte Frankenherrscher Karl der Große den jüdischen Kaufmann und Dolmetscher Isaak zusammen mit den Gesandten Lantfried und Siegmund auf eine diplomatische Mission zum Kalifen Harun al Rashid nach Bagdad - die Reise ist historisch belegt.

Nach fünf Jahren kehrte Isaak zurück - ohne Lantfried und Siegmund, die das Unternehmen nicht überlebt hatten, jedoch in Begleitung des weißen Elefanten Abul Abas, eines der zahlreichen Kalifen-Geschenke.

Der Handel verbindet die Kulturen

Wie haben sich christliche, jüdische und muslimische Kultur gegenseitig durchdrungen, wo liegen Einflüsse und Abgrenzungen der Religionen?

Nicht zuletzt Handelsverbindungen sorgten dafür, dass kulturelles Gut von der einen in die andere Welt gelangte, dass Wissen und Fertigkeiten wanderten, wie etwa jene medizinische Handschrift, die ein christlicher Arzt nach griechischer Vorlage in Bagdad für sich übersetzt hat - auch sie wird in der Ausstellung zu sehen sein.

„Viele Stücke wurden noch niemals ausgeliehen, zum Beispiel Holztüren aus dem Palast des Harun Al Rashid aus Athen”, versichert Dr. Georg Minkenberg, als Leiter der Domschatzkammer zusammen mit Dr. Adam C. Oellers (Museen der Stadt Aachen), Heribert Zantis (Leiter Kulturamt) und Professor Dr. Wolfgang Dreßen von der FH Düsseldorf Mitglied im Projektausschuß.

Für prägnante „Störfelder” sorgen Gegenwartskünstler der beteiligten Länder, die sich mit der Thematik zielgerichtet beschäftigt haben. Ein pädagogisches Programm für Schulen soll den interkulturelle Dialog fördern.

Als Treffen der Weltreligionen erhält die Ausstellung durch das „Weltfriedenstreffen” vom 7. bis 9. September in Aachen eine weitere Dimension.

Mit der Beteiligung der Fachhochschule Düsseldorf geht man verstärkt auf den Gedanken der Verständigung zwischen Kulturen und Religionen ein. „Fremdenfeindlichkeit erwächst aus Projektionen”, so die Erfahrung des Politologen Dreßen, der sich in erster Linie mit Neonazismus und dem Phänom von Rechtsradikalismus beschäftigt.

„Welche Bilder hatten oder haben wir vom Orient? Das ist mehr denn je von aktuellem politischem Interesse.” Bei „Ex oriente” geht es um die Sicht auf diesen Zeitabschnitt 797 - 2003 und auf das Fremde, wobei bereits die lenkende, alle Sinne ansprechende Ausstellungsarchitektur von Sylvia Leydecker, die sogar Düfte des Bazars in die Nasen steigen lässt, eine anziehende und die „Reise” sensibel begleitende Wirkung haben wird.

Geschmeide und Gebrauchsgegenstände, rituelle Objekte, Porzellan aus China, mit dem Arabien Handel betrieb, Seidenstoffe, Kreuz, Halbmond und Menora, kostbare Buchmalereien und ein Korantext in Goldschrift auf Indigo gefärbtem Pergament, ein Astrolabium, das anhand der Planetenverläufe als früher „Kompass” diente - mit jedem Stück wird deutlicher, wie gewaltig die Kulturen ineinander greifen.

Die Nähe zur Realität verstärkt ein Dokumentarfilm, der zur Zeit für Arte gedreht wird und zur Ausstellung auch in Aachen zu sehen sein wird. Er zeigt die Eindrücke und nicht geringen Probleme einer heutigen Reise auf den Spuren des weißen Elefanten.