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Monschau: Farbig mitten ins Leben gezielt

Monschau : Farbig mitten ins Leben gezielt

Kaum eine Form der bildnerischen Darstellung erreicht die Menschen so direkt und unmittelbar wie der gezeichnete Bildwitz, mal komisch, mal satirisch und immer hochpointiert. In Verbindung mit der Sprechblase ist der Cartoon weit mehr als ein billiger Comic, sondern in seiner Vollendung ebenso lebensecht wie philosophisch.

Auf zwei Etagen können sich noch zwei Monate lang die Menschen an einer sehenswerten Cartoon-Ausstellung im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum (KuK) erfreuen. Der renommierte Cartoonist Peter Gaymann zeigt unter dem Titel „Liebespaare - Der große Gaymann” rund 80 farbige Zeichnungen, die sich dem Thema der ewig jungen Beziehung zwischen Mann und Frau widmen.

„Ich kann nicht nicht lange mit Ihnen reden - meine Frau beobachtet mich”, hat Gaymann zu einer Szene im Park getextet. Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Hier geht es um Sprachlosigkeit in langjährigen Beziehungen, um eingespielte Rituale bei Paaren, die auf den Punkt gebracht werden. Die manchmal harte Alltagswirklichkeit in den Zeichnungen wirft den Betrachter aber nicht in tiefe Depression, er muss vielmehr schmunzeln. Hart er das nicht alles schon genauso erlebt?

Mitten ins Leben zielen die Cartoons von Peter Gaymann. Dies wurde auch deutlich, als bei der Vernissage Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Zeitung, im zwanglosen Gespräch mit dem Künstler über Tücken und Fallstricke von Zweierbeziehungen parlierte. Der in Köln lebende Zeichner schaffte in der 80er Jahre den Durchbruch, als er Hühner als Wiedererkennungsmerkmal in seine Arbeiten einbaute. Seit 20 Jahren arbeitet er für die Frauenzeitschrift „Brigitte”, und inzwischen kennt man ihn in ganz Deutschland, auch wegen inzwischen 60 herausgegebener Bücher.

„Ideen auf Kommando” gibt es bei dem in Freiburg geborenen 60-Jährigen nicht. Jede Zeichnung ist ein Prozess, ein Hineindenken in die kleinen Katastrophen des Alltags.

80 weitere Arbeiten

Parallel zur Gaymann-Ausstellung” sind im KuK weitere 80 Arbeiten des internationalen Cartoon-Wettbewerbs „sie-she-elle/he-er-il” zu sehen. Dieser Wettbewerb unter der künstlerischen Leitung von Nina Mika-Helfmeier, der Leiterin des KuK, und in Kooperation mit dem Zeitungsverlag Aachen, aktivierte nicht weniger als 250 Künstler aus 44 Ländern, die zusammen 824 Arbeiten einreichten.

Jury-Mitglied Bernd Mathieu eröffnete anlässlich der Preisverleihung an die Wettbewerbssieger mit hintergründigen Betrachtungen über die Beziehungsvielfalt der Geschlechter die Ausstellung. Die Jury habe sich nicht auf die hinreichend bekannten Darstellungen in Cartoons über Zweierbeziehungen „mit Nudelholz und Fußball” als Verfestigung von Vorurteilen beschränkt. Der Mann als „geistiges Kleinstlebewesen und die Frau als Spaßverderber” waren laut Mathieu zu wenig, um die Jury zu überzeugen.

Weit über das Klischee hinaus gingen auch die Arbeiten der drei Preisträger Frank Nikol, Anja Kress und Pol Leurs, die im KuK ihre verdienten Geldpreise (zwischen 2000 und 500 Euro gab es für die Plätze eins bis sechs) entgegennahmen.