1. Kultur

Düsseldorf: Fan-Szene als Rekrutierungsfeld

Düsseldorf : Fan-Szene als Rekrutierungsfeld

Neben Schulhöfen und der Musikszene haben die Rechtsextremisten in Nordrhein-Westfalen für ihre politische Agitation zunehmend auch die Fußballstadien entdeckt.

Immer mehr neonazistische Skinheads sickerten in die Szene der gewaltbereiten Fußballfans ein, erklärte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Hartwig Möller, am Mittwoch in Düsseldorf bei der Vorstellung des neuen Verfassungsschutzberichtes.

In der Hooligan-Kartei der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze” (ZIS), die seit Jahren gewalttätige Fußballfans registriert, beläuft sich der Anteil der Rechtsextremisten laut Möller inzwischen auf zehn bis 15 Prozent. „Das sind einige hundert Leute.” Der Schwerpunkt ihrer Aktionen liege in Fußballstadien des Ruhrgebiets, wo sie mit neonazistischen Symbolen und rechtsradikalen Schlachtgesängen aufträten. „Das sind Krawallbrüder, die auch politische Ambitionen haben”, sagte Möller. Der Verfassungsschutz habe deren Aktionen gerade im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft im Blick. Dabei konzentrierten sich die Beobachtungen insbesondere auf Fans von Rot-Weiß Essen, Borussia Dortmund und Schalke 04.

In der Vergangenheit hatte auch die rechtsextremistische „Kameradschaft Aachener Land” wiederholt Versuche unternommen, einige ihrer Rädelsführer bei den organisierten Fußball-Fanklubs von Alemannia Aachen einzuschleusen. Offenbar ohne erkennbaren Erfolg. Laut dem jüngsten Verfassungsschutzbericht haben sich die Aktivitäten der Aachener Kameradschaft im vergangenen Jahr vor allem auf die Unterstützung der NPD bei Landtags- und Bundestagswahlen konzentriert. Zudem unterhielten Anhänger der Kameradschaft „gute Kontakte” zu Neonazis in den Niederlanden und Belgien. „Die Kameradschaft Aachener Land ist nach wie vor eine der stärksten Gruppierungen im Bereich Kameradschaften in NRW”, sagte die Sprecherin des Landesverfassungsschutzes, Dagmar Pelzer.