Aachen: Familienkonzert: Donnernde Gewitter, heitere Gefühle

Aachen: Familienkonzert: Donnernde Gewitter, heitere Gefühle

Kindern eine große Beethoven-Symphonie nahe zu bringen, ist nicht leicht. Im 4. Familienkonzert der Saison nahmen am Sonntag im ausverkauften Stadttheater das Aachener Sinfonieorchester unter Leitung von Gábor Káli sowie die Schauspielerin und Dramaturgin Julia Brettschneider als zerstreute „Orchestermanagerin” die heikle Aufgabe in Angriff.

Sie ließen es locker angehen. Die trottelige Managerin verwechselte die Auftrittszeiten der Musiker, so dass der Maestro zunächst nur mit den tiefen Streichern vorlieb nahmen musste, während der Rest des Vereins noch zu Hause frühstückte. Was natürlich nicht lange gut gehen kann, wenn man Beethovens „Pastorale” vor sich hat.

Ein pfiffiger Einstieg, den die Beiden allerdings etwas zu lange vertändelten, so dass das Orchester erst nach einer halben Stunde in vollständiger Besetzung die ersten kompletten Beethoven-Töne anspielen konnte. Viel hat man bis dahin nicht von der besonderen Stellung der naturverbundenen Revolutions-Symphonie gehört, nicht einmal die ungewöhnlich konkreten Überschriften der Sätze, die zwar im Programmheft abgedruckt waren, dennoch der Erläuterung bedürfen.

Natürlich beschränkte man sich auf Ausschnitte aus der drittlängsten Symphonie des Bonner Meisters. Über die Auswahl lässt sich immer streiten. Die „heiteren Gefühle” im Kopfsatz kamen immerhin ebenso zur Geltung wie die Vogelstimmen in der „Szene am Bach”. Viel Spaß bereitete den Kindern vorn allem das heftig donnernde Gewitter. Leider unterschlug Káli die wunderschöne Überleitung in die „Hirtengesänge”.

Er beschränkte sich auf das Gewitter, den kurzen Dankeschoral und pappte den Schlussteil des Finalsatzes an, ohne dass die Kinder das Hauptthema auch nur einmal geschlossen hören konnten. Somit wirkte die Auswahl doch etwas zufällig. Schade für den Einsatz aller Beteiligten.