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Aachen: Familienkonzert: Arme wachsen zu Riesententakeln

Aachen : Familienkonzert: Arme wachsen zu Riesententakeln

Es wurde viel gesagt, aber kein Wort gesprochen. Zu lachen hatten die Besucher des zweiten Familienkonzerts im gut besuchten Theater Aachen dennoch eine Menge.

Der Titel des 75-minütigen Programms „Reise durch das Reich der Töne“ trifft nicht ganz den Kern der stummen Einlassungen der beiden brillanten Pantomimen Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, die das bunt gemischte musikalische Programm szenisch aufmischten.

Zunächst fasziniert, wie die beiden erfahrenen, teilweise noch mit Marcel Marceau vertrauten Künstler aus der Ruhe heraus Spannung erzeugen und mit kleinsten Bewegungen und einem minimalen Aufgebot an Requisiten eine ganze Handlung auf den Kopf stellen können. Man gönnt den Kindern den Zauber der Illusion, wenn ein Koffer geheimnisvoll geöffnet wird, dem in der Fantasie ein Vogel entweicht, der ebenso sanft gleiten wie grotesk umherflattern kann. Hinter einer schlichten Wand wachsen Arme zu Riesententakeln, und es können zur Freude vor allem der kleinen Besucher Köpfe verdreht werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit ihr wurde sanft und beruhigend gespielt, ohne sie zu desillusionieren. Das ist heute selten, verhilft den Kindern jedoch zu einem gewaltigen Kreativitätsschub.

Besonders überzeugend gerieten die Beiträge, wenn sie sich in Einklang mit der Musik entwickeln konnten. Am Pult des Aachener Sinfonieorchesters stand der neue Korrepetitor des Theaters, Hiroshi Ueno, der das unterhaltsame, aber nicht einfache Programm stilsicher und präzis leitete. Da gab es von der „Moldau“ über den „Donauwalzer“ bis zu Bernsteins Candide-Ouvertüre viele Ohrwürmer zu hören. Schade, dass ausgerechnet die längsten Stücke, also „Die Moldau“ und der Walzer aller Walzer, rein konzertant ohne jede optische Zugabe erklangen. Da wurde es dem ein oder anderen jungen Musikfreund bisweilen etwas lang. Ansonsten herrschte das reine Vergnügen. Begeisterter Beifall.

(ob)