Eupen: Eupen Musik Marathon: Zum Festival gehört Freude und Schweiß

Eupen: Eupen Musik Marathon: Zum Festival gehört Freude und Schweiß

Schweiß gehört zu Sommerfestivals wie Sonne und Musik. Den Schweiß anderer zu spüren, das ist jedoch eher eine unangenehme Begleiterscheinung, die man höchstens im Gedränge vor der Bühne in Kauf nimmt — um besonders nah an den Stars zu sein.

Wenn sich also Tausende verschwitzte Menschen selig lächelnd in den Armen liegen, dann muss das schon einen triftigen Grund haben. Und dieser Grund ist am Sonntagabend der Mainact des Eupen Musik Marathons: der deutsche Senkrechtstarter Joris. „Spürt den Schweiß eurer fremden Nachbarn“, ruft der 28-jährige Sänger, der mit Hits wie „Herz über Kopf“ und „Sommerregen“ berühmt wurde.

Musikalische Vielfalt beim Eupen Musik Marathon: Deutscher Popstar Joris (oben li.), die belgische Rockband King Dalton (unten li.), die belgische Künstlerin DJ Eka auf der Elektrobühne (oben re.) und Foto: Heike Lachmann

8000 Besucher

Musikalische Vielfalt beim Eupen Musik Marathon: Deutscher Popstar Joris (oben li.) begeistert Tausende Fans am Sonntagabend. Aber auch lokale und regionale Musiker, wie die belgische Rockband King Dalton (unten li.), die belgische Künstlerin DJ Eka auf der Elektrobühne (oben re.) und die Band DeWolff (im Bild Sänger Pablo van de Poel) locken Massen in die belgische Kleinstadt. Foto: Heike Lachmann

Am Wochenende hat das kostenlose Festival wieder in das Zentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien gelockt. Das breitgefächerte Angebot von Klassik über Rock und Pop bis hin zu Elektro hat etwa 8000 Besucher aus der Region Aachen, aus Belgien und den Niederlanden angezogen. Nicht zuletzt sind Tausende gekommen, um den deutschen Popstar Joris zu sehen. Erst im vergangenen Jahr wurde der Sänger mit drei Echos ausgezeichnet. Derzeit gehört er in der Deutschpopszene zu den Superlativen.

Musikalische Vielfalt beim Eupen Musik Marathon: Deutscher Popstar Joris (oben li.) begeistert Tausende Fans am Sonntagabend. Aber auch lokale und regionale Musiker, wie die belgische Rockband King Dalton (unten li.), die belgische Künstlerin DJ Eka auf der Elektrobühne (oben re.) und die Band DeWolff (im Bild Sänger Pablo van de Poel) locken Massen in die belgische Kleinstadt. Foto: Heike Lachmann

„Die Augen bleiben zu!“, fordert Joris. Es wirkt, als schwimme er regelrecht in der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die die Stadtparkbühne umgibt. Kurz bevor der 28-jährige Star die Besucher des Eupen Musik Marathons aufgerufen hat, ihre Nachbarn in die Arme zu nehmen, die Augen zu schließen und zu schunkeln, da hat er ernste Worte gesprochen — über den Anschlag im vergangenen Jahr auf dem Ansbach-Open-Festival in Bayern.

Am Wochenende sind wieder Tausende Besucher aus der Aachener Region, aus Belgien und den Niederlanden nach Eupen geströmt. Die belgische Kleinstadt hat ihr Zentrum nun zum 26. Mal aus Liebe zur Musik freigegeben: Der Eupen Musik Marathon verwandelte d Foto: Heike Lachmann</p>

Nicht von der Bühne verjagt

Ein junger Syrier hatte auf dem Festivalgelände im Juli vergangenen Jahres eine Splitterbombe gezündet und sich damit selbst getötet. Dabei wurden auch 15 Menschen verletzt. Joris war einer jener Künstler, die zu diesem Zeitpunkt ihr Konzert gaben. Diese Erfahrung hat ihn offensichtlich weder von Bühnen noch von Festivals verjagt, dennoch will ihn der Vorfall nicht ganz loslassen: „Spürt diese wunderbare Erde auf der wir tanzen dürfen! Und vergesst nicht: Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten!“

Feiern und Tanzen, das hat sich an diesem Wochenende keiner der Eupen-Besucher nehmen lassen. Von bis zu zehn Bühnen dröhnten Trompeten, wummerte der Bass, erklang verzerrtes Rockgitarren- oder klassisches Violinenspiel. 2500 Besucher bevölkerten die knapp 20.000 Einwohner starke Stadt am Samstag, ganze 5500 am Tag darauf. Und während sich die Gäste am ersten Festivaltag noch übersichtlich auf die einzelnen Bühnen verteilten, so trug am Sonntag sicherlich das sommerliche Wetter dazu bei, dass sich die Massen gut gelaunt, aber eben langsam durch die idyllischen Straßen der Kleinstadt von Bühne zu Bühne schoben.

„Es gab keine negativen Vorfälle“, sagt Björn Marx von der Veranstalterorganisation Chudoscnik Sunergia. Und das ist trotz der Menschenmassen für das Musikfestival in Eupen keine Ausnahme. Das Publikum ist vielfältig, offen für unbekannte Bands und Menschen — und wo man anstehen muss, da kommt man eben ins Gespräch. So kommt es auch, das Kinder und ältere Menschen auf diesem Festival keine Ausnahme bilden. Während die Kleinsten mit Ohrenschützern am liebsten ganz vorne an der Bühne herumhüpfen, machen es sich die Älteren weiter hinten bequem.

Keine Tabus

So scheint es, was die Musik angeht in Eupen, keine Tabus zu geben — ein Spektrum, dass die Organisatoren gut in ihrem Angebot widerspiegeln.

Es gelang ihnen auch in diesem Jahr wieder, ausgewachsene nationale europäische Stars auf die Bühnen zu holen — so wie Joris, den libanesisch-französischen Sänger Bachar Mar-Khalifé oder die niederländische Bläserband Gallowstreet. Dennoch blieb der Musik Marathon auch in seiner 26. Ausgabe seinem Ruf als vielfältiges Entdecker-Festival treu und präsentierte lokale und regionale Schätze. So lockte etwa die belgische Rockband King Dalton mit ihren überzeugenden Outfits und mitreißenden Kompositionen besonders viele Besucher an eine der kleineren Bühnen.

Ähnlich schaffte es auch das Berliner Theaterensemble Ich und Herr Meyer mit musikalischem Können und viel Humor, das Publikum zum Lachen und Verweilen zu bringen.

Auch die niederländische Band DeWolff überzeugte mit ihrer Psychodelic-Bluesrock-Mischung und heizte den Gästen vor der Bühne am Stadtpark so ein, dass sie ihre Füße nicht mehr still halten konnten.

Still halten konnten auch die Elektro-Fans nicht. Der liebevoll und künstlerisch gestaltete Hinterhof mit Retro-Lampen, Schallplatten und im Wind wehenden bunten Stoffen, in dem die „Electro Stage“ untergebracht ist, war an beiden Tagen brechend voll. Sei es zu den Beats von Mikka Vision, der deutsche DJ, der auch die Aachener Partyreihe SubTanz-Nacht im Musikbunker organisiert, oder etwa zu den Rhythmen der belgischen Künstlerin DJ Eka, die mit Funk-Einflüssen und Vocals einen geradezu unverwechselbaren Sound auflegt.

Neuerungen gab es in diesem Jahr nur kleine, und diese hatten auch leichte Anlaufschwierigkeiten. Ein Interviewzelt wurde weder von Musikern noch von Besuchern ausgiebig genutzt. Erstmals gab es am Samstag auch ein Mitmachprogramm, das nur teilweise gut bei den Besuchern ankam.