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Es ist serviert: Huhn mit Mokkaduft

Es ist serviert: Huhn mit Mokkaduft

Köln (an-o) - Nutella auf Salami-Stullen zu schmieren, versuchen Eltern ihren Kindern frühzeitig auszutreiben. Feinschmecker auf der weltgrößten Lebensmittelmesse Anuga machen sowas ähnliches, nennen es aber "Cross-over-Küche", frei übersetzt - Querfeldein-Essen.

Seit einigen Jahren versuchen Meisterköche zusammenzubringen, was nicht zusammen gehört: Ein Wachtel-Ei wird von Zuckerkaramell umhüllt, die Sardine schwimmt auf in einem Bett aus Himbeer-Mousse, Minzejoghurt schwappt über den Stockfisch. Das Eis schmeckt nach Zigarrenrauch und vom Huhn geht ein zarter Mokkaduft aus. Inspirier- und experimentierfreudig schauen französische Köche bei Asiaten ab, spanische bei arabischen und umgekehrt.

Die Kombinationen der Cross-over-Küche sind wagemutig, aber eigentlich auch überflüssig. Denn genau wie im Tourismus gerät die Entdeckerlaune an ihre Grenzen, wo fast jeder Winkel in der Welt auch kulinarisch erschlossen ist. Trotzdem wartet die Branche auf Neuigkeiten, die sie dem Verbraucher verkaufen und vorkochen kann.

Tausendfach Fertiggerichte

Ob der allerdings auf, wie es im Katalog heißt, die "hitverdächtige Neuheit" Heinos Hasel-Nuss-Torte oder "Burgis Kloß mit Soß" (weltweit der erste mit Sauce gefüllte Kartoffelknödel) gewartet hat, sei dahingestellt. Solche Fertiggerichte gibt es tausendfach auf der Messe, sie belegen den Trend zur "Entrhythmisiserung des Ernähungsverhaltens" wie jüngst eine Kölner Studie herausfand: Weil die Mitglieder einer Familie dauernd flexibel sein müssen und deshalb kaum Zeit für das gemeinsame Essen bleibt, braucht es immer mehr Gerichte, die minutenschnell fertig sind. Auch dazu gibt es eine Messe-Neuheit: Mit einem Knick an einer Art Joghurtbecher ergießt sich die Tomatensauce über die Pasta. Nach einer Minute in der Mikrowelle ist das Gericht fertig - ob es noch mehr Adjektive außer heiß verdient, muss jeder alleine testen.

Denn auf der Anuga locken andere Häppchen. Was 160.000 Fachbesucher hier in diesen Tagen schlürfen, dippen und futtern verdient durchaus auch den Namen "Cross-over". Ein Rundgang, Abweichungen bei der Route sind möglich, sieht so aus: Am Eingang wartet eine Dame im Schafspelz, bauchfrei versteht sich, die Schokolade aus Schafsmilch und Hanf feilbietet. Ein Schlückchen Rosenmilch aus Malaysia fließt auf die österreichische Delikatesse und vermischt sich mit der scharfen Chili-Paste und Oliven aus Kalabrien. Die "Schwedenbombe", die aus Österreich stammt und nur vielleicht eine politisch korrektere Bezeichnung für Negerkuss ist, trifft explosiv auf die indonesischen Palmenherzen.

Kaffeepause und weiter. Im asiatischen Teil zeigt ein Mann aus Singapur, wie man sehr effizient Sonnenblumkerne aus der Schale knabbert. Nach ein paar Cashew-Kernen braucht der Magen erstmal was Richtiges: Am Soja-Saucen-Stand bruzzelt ein Koch Hühnchen mit Sprossen. Jetzt ist Schluss: Nur noch ein Spreewaldgürkchen muss hinein - im Gedenken an die Wiedervereinigung und den Film "Good bye Lenin".

Mit 6006 Ausstellern aus 93 Ländern ist die Messe groß wie nie. Auf 300.000 Quadratmetern präsentieren sie dem Fachpublikum Millionen Produkte. Kaum zu glauben, dass der Mensch nur vier Kategorien schmecken kann. Bitter, sauer, süß und salzig. Das kann man natürlich auch einfacher haben: Ein frisches Brötchen mit etwas Salz und Butter. Das wäre perfekt.