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Köln: Erwürgt, verbrannt und im Wald entsorgt

Köln : Erwürgt, verbrannt und im Wald entsorgt

Erwürgt, verbrannt und die Leiche in einem abgelegenen Waldstück in Frankreich entsorgt - fast drei Monate hat der brutale Mord an der Millionärin Jutta H. das Kölner Landgericht beschäftigt.

Am Mittwoch, 26. November, will die 11. Große Strafkammer das Urteil sprechen, bei dem es nur die Alternative geben kann: Ist der ehemalige Gärtner der Getöteten ein kaltblütiger Mörder oder ist er trotz mehrerer belastender Indizien unschuldig?

Die alleinstehende und zurückgezogen lebende Jutta H. war am 21. August 2007 nach einem Einkaufsbummel spurlos aus ihrer Villa im Kölner Prominentenvorort Hahnwald verschwunden. Anhand der im Haus gefundenen Spuren ging die Polizei früh von einem Verbrechen aus.

Bei der Überprüfung von Kontakten der Vermissten stießen die Beamten auf Detlev W. Er hatte gelegentlich als Gärtner, Chauffeur und Hausmeister für die Medizinerin gearbeitet. Dabei soll er versucht haben, für sich einen sechsstelligen Betrag vom Konto der Frau abzubuchen. Die gefälschte Unterschrift auf der Überweisung fiel einer Bankangestellten auf, sie alarmierte Jutta H. Einen Tag, bevor sie deswegen zur Polizei gehen wollte, verschwand die Millionärin.

Schon rund eine Woche nach der Vermisstenanzeige wurde Detlev W. wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft genommen. In seinem Auto wurden Blutspuren gefunden, die eindeutig der Vermissten zugeordnet werden konnten.

Trotz mehrerer aufwändiger Suchaktionen blieb die Millionärin zunächst verschwunden. Erst drei Monate später brachte die routinemäßige Auswertung von DNA-Spuren beim Bundeskriminalamt den Durchbruch. Es stellte sich heraus, dass die Leiche von Jutta H. bereits wenige Tage nach ihrem Verschwinden in einem Waldstück nahe dem lothringischen Metz gefunden worden war. Spaziergänger hatten dort eine entstellte und teilweise verbrannte Tote entdeckt. Die französische Polizei hielt die Unbekannte zunächst irrtümlich für eine etwa 20 Jahre alte Frau.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Detlev W. die Frau in ihrem Haus umbrachte, um zu verhindern, dass er wegen Betruges angezeigt wird. Anschließend soll er die Leiche in das Waldstück bei Metz gebracht und angezündet haben. Ein Zeuge will den Angeklagten nahe dem Leichenfundort gesehen haben.

In der Hauptverhandlung warf Staatsanwalt Stephan Neuheuser dem Angeklagten Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Verdeckung einer Straftat vor. Er beantragte eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

In einer Erklärung zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte mehrere Diebstähle zulasten der Millionärin gestanden, den Mord allerdings bestritten. Seine Verteidiger halten die Argumente des Anklagevertreters nicht ausreichend für eine Verurteilung. Sie monieren eine „viel zu lückenhafte Beweisführung”, auch hätten sich die Ermittler viel zu früh auf ihren Mandanten als Täter fokussiert. Damit seien mögliche andere Ermittlungsansätze zunichte gemacht worden. „Keines der Indizien kann auch nur halbwegs eine Täterschaft begründen”, begründen sie ihre Forderung nach einem Freispruch.

Der Mord hatte im Kölner Prominentenvorort Hahnwald für Bestürzung gesorgt. Das Wohnviertel, in dem unter anderen Fußballtrainer Christoph Daum und Entertainer Stefan Raab leben, gilt als besonders sicher. Seit einer Serie von Einbrüchen und Vergewaltigungen Anfang der 90er Jahre fährt hier ein von den Anwohnern finanzierter privater Sicherheitsdienst Streife.