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Köln: Erotik plus Stimme: Christina Aguilera in Köln

Köln : Erotik plus Stimme: Christina Aguilera in Köln

Von ihrem ersten Album „Christina Aguilera” gingen acht Millionen Stück über die Ladentische, ihre zweite Scheibe „Stripped”, nimmt, fast ein Jahr nach Erscheinen, immer noch Verkaufsrang 124 in der Rubrik Musik ein.

Am Geld kann es also nicht liegen, dass die 22-Jährige so wenig anzuziehen hat. Samstagabend präsentierte die Latino-Schöne, die in einem tristen Vorort von Pittsburgh (USA) aufwuchs, ihre spärliche Garderobe und ihr grandioses Können in der Kölnarena.

Rund 10.500 Zuschauer erlebten das einzige Gastspiel ihrer „Stripped live”-Tour 2003 in NRW.

Sexy Videoclips, provokante Sprüche und eine schwarze, wilde Lockenmähne wecken Erwartungen, die in Köln durchaus erfüllt werden.

Die Kostüme von „La Aguilera” sind nach dem Prinzip „Noch weniger ist noch mehr” geschneidert. Mit vier Tänzerinnen und vier Tänzern kreiert „Xtina”, wie sie sich nun nennt, eine sinnlich-schwüle Atmosphäre.

Ein bisschen Sado-Maso, ein bisschen Moulin-Rouge, ein bisschen Striptease-Bar. Ketten, rotes Licht und viel nackte Haut.

All das lenkt davon ab, dass die junge Frau viel mehr drauf hat, als sich mit Netzstrümpfen, Korsett oder Schlitz im Kleid betont „Dirrty” zu geben.

Sie ist eine großartige Live-Performerin, und sie hat eine großartige Stimme, die hinter Vorbildern wie Mariah Carey oder Whitney Houston nicht zurück steht.

Wenn Christina Aguilera, umwallt von weißem Bodennebel, auf einem schwarzen Flügel sitzt und das soulige, von Alicia Keys geschriebene „Impossible” singt, dann darf man schon eine Gänsehaut bekommen, ohne sich dafür zu schämen.

Zugabe in Jeans und weißem T-Shirt

Noch deutlicher wird das Gefälle zwischen Straps-Diva und talentierter Künstlerin, wenn Christina Aguilera für die einzige Zugabe nach 15 Stücken noch einmal auf die Bühne kommt.

Da sieht sie, mit weißem T-Shirt und gebleichten Bluejeans, wie ein ganz normales Mädchen aus. Die Aufschrift auf dem T-Shirt „God sees no colours” (Gott sieht keine Farben) ist so politisch korrekt, dass sie damit im Kirchenchor singen könnte.

Aber auch in der Kölnarena bringt die Ballade „Beautiful” die Zuhörer dem Himmel ein Stückchen näher.