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Erkelenz: Erkelenz: Für 5000 beginnt der Abschied

Erkelenz : Erkelenz: Für 5000 beginnt der Abschied

Pfarrer Günter Salentin ist nicht in Festtagslaune. Die wird bis nächsten Freitag auch nicht aufkommen. Da findet der erste Spatenstich am Umsiedlungs-Standort für die Dörfer Immerath, Lützerath und Pesch statt. „Das ist der Einstieg in den Abschied”, sagt der Erkelenzer Kirchenmann.

Der vergleichsweise einfache, symbolische Akt bedeutet, dass es ernst wird: Für die ersten 1300 Erkelenzer beginnt die Umsiedlung wegen Garzweiler II. Am Ende werden es 5000 Menschen sein, die ihre Häuser in Dörfern des Stadtgebietes verlassen haben, um anderswo neu anzufangen.

Rund 20 Jahre wurde um Garzweiler II gestritten. Ins Blickfeld der breiteren Öffentlichkeit geriet der Tagebau, als der Streit die 1995 gegründete rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen erschütterte. Die besonders betroffene Stadt Erkelenz und die Menschen formierten sich zum Widerstand: Ein Drittel des Stadtgebietes soll in dem 48- Quadratkilometer-Loch verschwinden. Der Spatenstich am Freitag symbolisiert für die Widerständler das Ende eines langen, verlorenen Kampfes.

Der besonnene katholische Pfarrer stand dabei jahrelang in der ersten Reihe. „Aller Widerstand ist vergebens. Jetzt heißt es nur noch: Augen zu und durch”, beschreibt er die Stimmung in der Bevölkerung. Die meisten wollen es möglichst schnell hinter sich bringen. Der Kirchenvorstand hat ihn gefragt, ob er mit zum Festakt für den Spatenstich komme. „Ich gehe mit den Leuten”, sagt er, aber er tut es mit gemischten Gefühlen.

2007 sollen die ersten privaten Häuser an dem Umsiedlungsstandort stehen. In den Jahren danach, wird er zum neuen Dorf wachsen. Es wird ein Dorf mit großen Gärten werden, wie es sich die Menschen gewünscht haben. Wer bauen will, hat den Grundstückswunsch vormerken lassen. Es gibt Grundstücke mit mehreren Anwärtern und das trägt nicht gerade zur Harmonie bei.

„Wir sind der Meinung, dass die Umsiedlung kein Grund zum Feiern ist”, sagt der stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der Erkelenzer Grünen, Heinz-Josef Dederichs. Deshalb schlagen sie die Einladung von RWE Power und Bürgermeister Peter Jansen (CDU) zum „Freibierfest mit Blasmusik” - wie die Grünen es nennen - auch aus.

Als sich die Stadt Erkelenz in ihrem Widerstand beugte und an der Umsiedlung mitarbeitete, gaben die sieben Rats-Grünen nicht nach. Fast alle Beschlüsse in diesem Zusammenhang lehnten sie ab. Jetzt wollen sie jeglichen Eindruck der „Verbrüderung” mit RWE Power vermeiden und wollen deshalb mit dem Unternehmen auch nicht auf die Umsiedlung anstoßen.

„In einem Rechtsstaat kommt man mal an einen Punkt, wo man sagt, die Entscheidung muss man akzeptieren”, sagt der Erkelenzer Beigeordnete, Hans-Heiner Gotzen. Der Verwaltungsmann hatte lange Zeit die Position der Stadt als Gegner deutlich gemacht. Da sie aber den Tagebau nicht verhindern konnte, sah sie sich im Sinne der Betroffenen gezwungen, an der Umsiedlung mitzuarbeiten. „Die Menschen haben ihren Kampf verloren, wollen aber, dass wir an ihrer Seite stehen.”