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Konzert in Düsseldorf: Eric Clapton trotzt mit Spielfreude aller Routine

Konzert in Düsseldorf : Eric Clapton trotzt mit Spielfreude aller Routine

Die Coronapause hat ihm sichtlich gut getan. Eric Clapton brillierte am Freitagabend im PSD Bank Dome in Düsseldorf.

Eric Clapton ist kein Freund großer Gesten. Ein Winken, das muss meistens reichen. Und wenn man es nicht besser wüsste, dann würde man glauben, sein Wortschatz bestehe ausschließlich aus „Good evening“ und „Thank you“.

In Zeiten von Corona und Lockdown hätte man sich sogar gewünscht, es wäre Tatsache. Zu oft hat sich der britische Gitarrist und Sänger mit kruden Theorien und fragwürdigen Unterstützern (ganz gruselig Van Morrison!) rhetorisch ins Abseits begeben. Hätte er es doch beim Gitarre spielen belassen... Denn das kann er immer noch, trotz gesundheitlicher Probleme, die nichts mit Covid, aber sicher ganz viel mit seinem in jungen Jahren drogen- und alkoholumnebelten Leben zu tun haben.

Jetzt steht er also da am Freitagabend auf der Bühne des PSD Bank Domes in Düsseldorf – spielt Gitarre und singt. Dafür pilgern die Menschen auf der Europatournee in die Arenen, es bleiben trotz gesalzener Ticketpreise kaum Plätze frei.

Sie wollen sie hören, die Hits auch ihres Lebens. „Layla“ natürlich, in der mehrfach Grammy-prämierten Unplugged-Version. Oder „Wonderful Tonight“, „Tears In Heaven“, „I Shot The Sheriff“ und „Cocaine“. Das ist Claptons Tour-Routine seit Jahren. Immer das Gleiche?

Eigentlich ja, aber was heißt das? Routine. Das klingt so abfällig. So, als ob man von einem Künstler im höheren Rentenalter – Clapton ist 77 Jahre alt – Tag für Tag Bühnenakrobatik und ein ständiges Sich-neu-Erfinden erwarten müsste. Wäre das gerecht? Sicher nicht. Mick Jagger mag da eine Ausnahme sein, der turnt mit knapp 79 Jahren durch die Gegend, als wäre Arthrose nur etwas für Hypochonder. Aber irgendwie affig sieht sein Gehabe trotzdem aus, oder nicht?

Clapton umgeht das. Er investiert Energie in sein Spiel. Das ist sicher nicht mehr so ganz virtuos wie vor 20 oder 30 Jahren. Aber auch das zählt nicht. Clapton trifft – anders als beim Thema Corona – den Ton. Diesen einzigartigen, den richtigen zur richtigen Zeit. Immer noch funktioniert das, dieses Singen der Stratocaster, das beim Gros der Gitarristen rund um den Globus im Vergleich ein heiseres Krächzen ist.

Dem 77-Jährigen hat, das darf man so sagen, Corona offensichtlich gut getan. Vielmehr die zweijährige Pause, die auch ihm tourmäßig zwangsauferlegt wurde. Bestens gelaunt schlendert er auf die Bühne, schnappt sich seine Gitarre und legt mit bemerkenswertem Elan und einer eigentlich nicht zu erwartenden Spielfreude los.

Die bestens eingespielte siebenköpfige Band mit seinen alten Kumpels Nathan East am Bass sowie Chris Stainton und Paul Carrack an den Keyboards groovt wie eine Bluesmaschine. Wer die im Rücken hat, kann nicht mehr viel falsch machen. Clapton macht gar nichts falsch. Im Gegenteil. Er lässt es zum Auftakt mit „Pretending“ sowie den Bluesklassikern „Key To The Highway“ und „Hoochie Coochie Man“ ordentlich krachen und spielt sich dann traumwandlerisch sicher und gekonnt durch das gut eineinhalbstündige Programm.

Moment – 90 Minuten plus Zugabe? Man könnte meinen: Etwas wenig fürs viele Geld. Geschenkt. Auch das ist ein Tribut ans Alter und den Tourstress. Man sieht es ihm – auf höchstem Niveau unterhalten – gerne nach. Viele Künstler spielen länger und schlechter – das wäre keine Alternative.

Ach ja, gesagt hat er doch noch mehr: „Good to be back in Germany“ meint er lächelnd! Fast ein emotionaler Ausbruch... Nächstes Jahr gerne wieder. Dann mit 78 Jahren – und sicher kein bisschen leiser. Hoffentlich kommt Corona nicht dazwischen. In dem Fall ein Tipp: Nur Musik machen, nicht reden...