Köln: Eric Clapton begeistert abseits der Klischees in Köln

Köln: Eric Clapton begeistert abseits der Klischees in Köln

Ein Klischee hat den Charme, irgendwann einmal aus etwas Besonderem, Innovativem entstanden zu sein. Zum Beispiel im Jahr 1991. Eric Clapton komponiert „Tears In Heaven“ — musikalische Trauerbewältigung nach dem tragischen Unfalltod seines damals vierjährigen Sohnes Conor. Eine Erfolgsgeschichte ohne gleichen, mehrfach Grammy-dekoriert. Und seit dem?

Der Song droht, zu eben jenem Klischee zu verkommen, millionenfach bis in den letzten Supermarkt hineingenudelt. Traurig. Montabgabend in der Kölner Lanxessarena. Clapton spielt eines von nur vier Konzerten weltweit in diesem Jahr. Der jetzt 73-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren häufiger vorhalten lassen müssen, allzu routiniert sein Programm abzuspulen.

Klischeehaft. Und auch sein aktuelles Set beginnt vordergründig im Routinemodus. Auf J.J. Cales „Somebody‘s Knocking“ folgen „Key To The Highway“ und „Hoochie Coochie Man“. Bluesstandards eben. Auch das Arrangement ist in Stein gemeißelt: Pianosolo (Chris Stainton), dann Keyboards (Paul Carrack) zum Schluss Gitarre — zuerst Doyle Bramhall, dann Mr. Slowhand selber. Zwei Durchgänge, Schlussakkord. Ein Klischee? Fehlt bloß noch „Tears In Heaven“! Genau!

Es ist kurz vor 22 Uhr in der bisweilen so seelenlos wirkenden Arena, die so gar nicht zum Konzertsaal werden will. Eric Clapton nimmt mit seiner Martin-Akustikgitarre Platz. Und man gerät in Gefahr, wieder in Klischees zu verfallen, von der fallenden Stecknadel zu sprechen, die man in solchen Momenten anderswo angeblich schon gehört hat.

„Tears In Heaven“ — das ist der Moment, in dem Clapton nach solidem Start das Ausrufezeichen dieses Konzertes setzt. Denn er spielt dieses Wehklagen auch 27 Jahre später noch mit einer Authentizität, die — Achtung, Klischee! — Schauer auf Rücken produzieren möchte. Einfühlsam, dezent begleitet, eigentlich nur Stimme und Gitarre. Braucht es mehr? In diesem Moment nicht. Eric Clapton ist nicht bekannt dafür, ein Kommunikationsgenie zu sein.

Einem freundlichen „Guten Abend“ lässt er das ein oder andere „Thank you“ folgen. Aber sein dezentes Lächeln nach dem letzten Ton von „Tears In Heaven“ spricht Bände. Das war es, scheint er zu sagen, so muss es klingen. So und nicht anders!

Das Rezept dieser nun über 50-jährigen Erfolgsgeschichte auf den Bühnen der Welt ist so einfach wie genial. Man bediene sich aus dem bestens gefüllten Fundus an Hits aller Lebensphasen. Das ist es, was die Fans wollen, das ist es, was sie bekommen. Natürlich „Layla“, — man würde es gerne wieder einmal elektrifiziert statt unplugged hören — Bob Marleys „I Shot The Sheriff“ gehört dazu, ebenso ein krachendes „White Room“.

Oder „Got To Get Better In A Little While“ aus dem Jahr 1971, nicht gerade ein Hit aus der vordersten Reihe, aber an diesem Abend ganz oben! Druckvoll, schreiende Gitarren, unglaublich treibende Drums (Sonny Emory) und pulsierender Bass (Nathan East). Claptons starke Stimme kann sich bei Sharon White und Sharlotte Gibson auf den richtigen Background verlassen. Das Menü ist stimmig, die Zutaten exzellent.

Was fehlt dann also? Ein Klischee? Schlagen wir doch „Cocaine“ vor. Auch millionenfach gehört. Clapton beendet sein Set mit dem Song wieder aus der Feder seines Freundes J.J. Cale. Da schließt sich der Kreis. Die Arena kocht. Eine Zugabe noch („High Time We Went“), mehr ist nicht drin. Okay. Dieser Abend war ein Geschenk — wonderful tonight!

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