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Heimbach: Ergreifender Auftakt von „Spannungen”

Heimbach : Ergreifender Auftakt von „Spannungen”

„Spannungen - Musik im Kraftwerk Heimbach”: Vor sieben Jahren wagten Lars Vogt und der „Kunstförderverein Düren” mit Unterstützung der RWE zum ersten Mal das einwöchige Kammermusikfest im malerischen Jugendstilkraftwerk Heimbach am pittoresken Rursee.

Rasch etablierte es sich zu einem der international angesehensten Musikfeste unserer Tage. Ein „kleines und feines, aber nicht piekfeines Familienfest” nennt Gertrud Steinbrück, die Gattin des als Schirmherrn gewonnenen Ministerpräsidenten, das Treffen internationaler Spitzenmusiker, die oft mit ihrer ganzen Familie anreisen und sich durch das lockere Ambiente zu noch konzentrierterer Arbeit inspirieren lassen.

Eng verbunden

Überschattet wird das diesjährige Fest durch den kürzlichen Tod des russischen Cellisten Boris Pergamenschikow, dem das Festival von der ersten Stunde an wesentliche künstlerische und menschliche Impulse zu verdanken hat. Lars Vogt, der ihm freundschaftlich besonders eng verbunden war, konnte im Eröffnungskonzert seine Fassungslosigkeit nicht verbergen, spielte ihm zu Ehren Schumanns schlichte „Erinnerung” und widmete das Fest seinem Freund.

Zum Glück sind viele Beiträge Pergamenschikows zu den „Spannungen” auf preisgekrönten CD-Mitschnitten erhalten geblieben. Der junge Pergamenschikow-Schüler Claudio Bohrques übernimmt die Parts seines verstorbenen Lehrers.

Einen Schwerpunkt setzt man in diesem Jahr mit einer Reihe groß besetzter Kammermusik, die bis zu Mozarts Bläser-Partita, Dvoráks Streicher-Serenade und Schönbergs Kammersymphonie op. 9 reicht, aber auch originelle Bearbeitungen enthält.

36 Musiker, soviel wie nie zuvor, darunter etliche treue Stammgäste, versammeln sich diesmal in der Eifel, darunter der junge, fast kometenhaft aufgestiegene Dirigent und Rattle-Schüler Daniel Harding.

Den Eröffnungsabend beherrschten freilich klassische „Klein”-Besetzungen, wobei man jeweils zwei Werke der Wiener Klassik und Antonin Dvoráks, der vor 100 Jahren starb, gegenüberstellte.

Wie im Vorjahr begann man mit Haydn. Christian Tetzlaff und Florian Donderer (Violine), Tatjana Masurenko (Viola) und Tanja Tetzlaff (Violoncello) servierten Haydns spätes Streichquartett D-Dur op. 76,5 nicht als unverbindlichen Aperitif, sondern arbeiteten die stilistische Vielfalt und die immense Energie des Werks so intensiv aus, dass die oft überspielte Nähe von Haydns Spätwerk zu Beethoven und sogar Schubert kristallklar deutlich wurde.

Spürte das Quartett die stilistischen „Spannungen” Haydns akribisch auf, suchte man bei Mozarts ebenfalls spätem Klaviertrio B-Dur KV 502 eher nach stilistischer Geschlossenheit.

Und das gelang „Hausherr” Lars Vogt am Klavier, dem wie immer bienenfleißigen Christian Tetzlaff an der Violine und dem Sieger des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs Gustav Rivinius am Violoncello mit einer solch noblen Akkuratesse und innerer Spannung, dass die Größe der Komposition in jedem Takt spürbar wurde.

Für eine Überraschung sorgte der erste Dvorák-Beitrag, die Miniaturen op. 75a für zwei Violinen und Viola, die kaum gespielt werden und in der Literatur eher als zweitrangige Gelegenheitsarbeiten abgetan werden.

Welche emotionale Kraft, welche melodischen und klanglichen Reize die vier kurzen Stücke enthalten, offenbarten die Geigerinnen Priya Mitchell und Antje Weithaas sowie Tatjana Masurenko (Viola) mit frappierender Eindringlichkeit.

Die Final-Elegie zelebrierten die drei Damen mit einer so entwaffnenden Schönheit und elektrisierenden Ergriffenheit, dass man sich entschloss, die Pause vorzuziehen.

Voller Spielfreude

Einen unbeschwerten, von musikantischer Spielfreude überbordenden Abschluss fand der erste Abend der „Spannungen” mit Dvoráks in Amerika entstandenem Streichquintett Es-Dur op. 97, einer jener populären „amerikanischen” Werke, in denen sich Dvorák so böhmisch mitteilt wie vorher allenfalls in den „Slawischen Tänzen”.

Die sechs Streicher, darunter Artemis-Primarius Heime Müller (Violine) und der Cellist Alban Gerhardt präsentierten den Charme und Duft des prächtigen Werks wie auf einem Silbertablett. Ein glänzender Auftakt.

Am Mittwochabend um 20 Uhr steht neuere Musik im Mittelpunkt. Einzig ein Bläserquintett Ludwig van Beethovens muss sich gegen die Phalanx aus dem 20. Jahrhundert um Christian Jost, Ravel, Alban Berg und Schönberg behaupten.

Eine Einführung wird um 18 Uhr in der Burg Heimbach angeboten.

Restkarten gibt es noch unter 0175/5987970 täglich 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr. Das Festival ebdet am 6. Juni.