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Aachen: Erfolgreicher Abschluss der XXX. Bachtage

Aachen : Erfolgreicher Abschluss der XXX. Bachtage

Zum Abschluss der XXX. Aachener Bachtage wartete Wolfgang Karius mit einer kostbaren Rarität auf, dem Oratorium „LEnfance du Christ” (Die Kindheit Christi) von Hector Berlioz, dessen 200. Geburtstag sich in diesem Jahr jährte.

Das Werk, ein lyrisches Idyll zwischen den Monumentalstücken des Meisters, ist hier seit hundert Jahren nicht mehr erklungen. Es geht Berlioz weniger um Weihnachten als um die Herodes-Geschichte mit dem Kindermord sowie um die Flucht nach Ägypten.

Er, der den Text selber verfasste, behandelt den Stoff der Bibel sehr frei. Diesem Text antisemitische Tendenzen zu unterstellen, wie es ein seltsamer Programmkommentar unternahm, ist allerdings lächerlich.

Wenn Berlioz die Herodes-Szene „dämonisierte”, so um des dramatischen Kontrastes inmitten allzu einseitig lyrischer Genrehaftigkeit willen. Der Schwerpunkt des Oratoriums liegt auf den solistischen Teilen. Vor allem die Tenorpartie des Erzählers ist äußerst anspruchsvoll.

Hans-Josef Ritzerfeld bewältigte sie sowohl stimmlich wie in ihrem wechselnd-beredten Ausdruck nicht nur überzeugend, sondern auch unmittelbar anrührend. Stephan Saus blieb der Bösewicht-Dramatik und der Traumängste des Herodes nichts an Durchschlags- und Ausdruckskraft schuldig, war aber im Schlussteil auch ein warmherzige Lyrik verströmender Hausvater.

Schöne Chöre

Sabine Schneider, die Maria, wartete einmal mehr mit Sopran-Wohllaut auf, und Christian Palm setzte sich erfolgreich für die weniger dankbaren Rollen des Joseph und des römischen Centurion ein. Dem Chor stellt Berlioz quantitativ geringere, aber höchst diffizile Aufgaben.

Der Aachener Bachverein bewältigte sie imponierend, ob es um die dramatischen Männerchöre des Herodes-Teils, um den schönen Hirtenchor oder den wundervollen A-Cappella-Schlusschor ging, der Intonationssicherheit verlangt, immer wurde klangschön und differenziert gesungen, was auch für die raffiniert eingeblendeten Frauen-Fernchöre gilt.

So entsprach das chorische Niveau dem solistischen. Berlioz war bekanntlich-der Meister des Orchesterklangs, das gilt auch, wenngleich dynamisch reduziert, für dieses lyrische Oratorium. Das von fremder Hand einstudierte Sinfonische Collegium Essen wartete mit tüchtigen Bläsern auf.

Insbesondere die beiden Flötistinnen und der Harfenist in ihrem Trio spielten wunderschön. Dafür hätte man allerdings den Streichern gelegentlich mehr Intensität und im Schlussteil Spielperfektion gewünscht. Vermutlich geht so etwas nur mit einem eingespielten Klangkörper.

Am Ende konnten Karius und seine Mitstreiter den begeisterten Beifall des Auditoriums in der vollbesetzten St. Michaelskirche entgegennehmen.