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Vossenack: Erfahrung im Wald: Selbst geschlagen ist einfach besser

Vossenack : Erfahrung im Wald: Selbst geschlagen ist einfach besser

Fichten sind wie Salatköpfe. Man sät sie dicht aus, um sie später, wenn sie kräftig genug geworden sind, zu „pikieren”. Das Beet wird ausgedünnt, damit die Pflanzen einander nicht Licht und Nahrung wegnehmen. Förster Dirk Bauer lacht. und Vossenack und erfuhren ganz viel über Forstwirtschaft.

„In unseren Wäldern ist das genauso, wie im Pflanzkasten. Im Wald nennt man das Pikieren allerdings Weihnachtsbaumaktion.” Forstwirtschaftlich betrachtet eine Pflegemaßnahme.

Beate Jahn, ihr Mann Roland und die anderen, die sich am Forsthaus Jägerhaus getroffen haben, um den Baum fürs Fest eigenhändig zu sägen, staunen über derlei Einblick in das deutsche Waldleben. Gewonnen haben sie ihn und den Ausflug in die Natur im Magazin-Quiz der „Nachrichten”. Die Ratefüchse hatten bei „Die Vier” richtig gelegen und freuen sich samt Familien jetzt auf ein ganz besonderes Baumgefühl an den Weihnachtstagen.

Denn: Einen Baum kaufen, das kann jeder, schmunzelt Helma Netz aus Aachen. Doch selbst die Säge anlegen, den Baum buckeln und nach Hause zu bringen -„das ist doch was anderes”.

Gerade soll er sein

Doch vor die Glücksmomente an der festlich geschmückten Fichte im Wohnzimmer hat der Förster die Arbeit gesetzt. Tief hinein gehts für die „Nachrichten”-Gewinner in den Forst zwischen Lammersdorf und Vossenack, bis zur kleinen Lichtung noch mit dem Auto. Am Ziel angelangt, empfängt sie ein loderndes Lagerfeuer. Körperliches Schaffen soll belohnt werden, so die Idee von Förster Dirk Bauer und seiner Ehefrau Ursula. Nach getaner Arbeit warten Gulaschsuppe, Bockwürstchen, Kakao und Glühwein auf die Forstarbeiter für einen Tag.

Die werden zunächst den Weg entlang weiter in den Wald hinein geführt, bis an jene Stelle, an der Förster Bauer um sich blickt und zur freien Wahl aufruft. „Schauen Sie sich um und suchen sich aus, was Ihnen gefällt.” Sprichts und drückt jedem Gewinner, der noch keine in der Hand hält, eine Säge in dieselbe.

Nicht für jeden scheint das ein bekanntes Werkzeug zu sein. Doch zunächst konzentrieren sich alle auf die Suche nach dem ultimativen Wohnzimmerschmuck für die Feiertage, begleitet von vielerlei Informationen aus Försters Mund. Worauf ist denn bei der Auswahl des Baums zu achten? „Dass Sie den Tannenbaum nicht mit einer Birke verwechseln.” Zur ernsten Angelegenheit will Förster Bauer den Ausflug nicht geraten lassen. Und räumt ein: „Quatsch, das kommt allein auf Ihren Geschmack und Ihr Wohnzimmer an.”

Helma Netz achtet darauf, dass die Zweige nicht zu dicht hängen, „damit die Wachskerzen nicht zu nah ran kommen und meine Bude in Brand gerät”, Roland Jahn sucht ein dichtes, größeres Exemplar, das „keine Löcher” hat. Für Niklas Cremer, neun Jahre alt, ist nur eines wichtig: „Gerade” soll der Baum sein.

Die Auswahl ist immens. Fichten sind ein schnell nachwachsender Rohstoff. Das Nadelholz bringt viel Geld, was bereits die alten Preußen für die Eifel-Wälder entdeckten: als Grubenholz, als Leiterstange oder Bohnenholz, schließlich als Weihnachtsbaum.

Nun wird gesägt. Gerade ansetzen und „nicht drücken”, so der Tipp, nicht des Försters, diesmal ist es Roland Jahn, der „Erstsägern” assistiert. Wie durch Butter muss das Blatt durchs Holz gehen, „wie Haare kämmen”, wirft sein Vater Günter ein.

Am Lagerfeuer

Geschafft. Zufrieden buckeln die „Nachrichten”-Gewinner ihren ganz persönlichen Weihnachtsbaum. Jetzt geht„s zur Stärkung ans Lagerfeuer. Niklas ist begeistert, Papa Wolfgang hat ganz in seinem Sinne gesägt. „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum”, singt der Neunjährige fröhlich auf dem Weg zum wärmenden Kakao und denkt schon an seine Dinos, die er Heiligabend an der Krippe unterm Baum versammeln wird.