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Alsdorf: Erdverbunden und mit Sinn für Poesie

Alsdorf : Erdverbunden und mit Sinn für Poesie

Tommy Engel - eine Legende? Irrtum! Der Musiker, der Mann, der Künstler ist viel zu lebendig, um derart mit Worten mumifiziert zu werden.

Wenn er erst einmal seine Seele auf Saaltemperatur gebracht hat, lebt der Ur-Kölner erst so richtig auf. Dann ist er wie ein Kraftwerk, strotzt vor Energie und gibt davon jede Menge an sein Publikum ab.

Das erwies sich jedenfalls bei seinem Auftritt am Mittwochabend in der Stadthalle Alsdorf. Im Rahmen seiner „Solo 2004”-Tournee legt er zusammen mit seinen vier erstklassigen Begleitmusikern Anke Schweitzer, Jürgen Fritz, Josef Pick und Klaus Pannenberg jedenfalls ein Gastspiel vom Allerfeinsten hin, das das Herz erwärmte und die Ohren gut durchblies.

Nähe zum Publikum

Tommy Engel braucht die Nähe zum Publikum und tastet erst dessen Stimmung ab, bevor er richtig aus sich heraus geht. Nur so lässt sich erklären, dass er nicht von Anfang an auf vollen Touren drehte.

15, 20 Minuten dauerte es schon, bis er - und seine Top-Band - den vollen Drive entfaltete. Das heißt nicht, dass die Aura und die Präsenz des Mannes, auf den der Begriff „Volksmusiker” 1000 Mal eher zutrifft als auf Hirn vernichtende „Randfichten”, nicht schon eher zu spüren waren.

Denn der Künstler, der ein Kölschrocker war, noch bevor dieses Wort geprägt wurde, spricht die Sprache des einfachen Mannes und der einfachen Frau, ohne überhaupt in der Nähe irgendwelcher täglich in Rundfunk und Fernsehen abgenudelter Plattheiten zu geraten. Auf Platt lässt sich halt alles (und vieles nuancierter) sagen, was der Mensch auch in der Hochsprache ausdrücken kann.

Mit seinem Auftrittssong „Engel, Bengel, Botze-stengel” dokumentierte der Star des Abends jedenfalls zu 100 Prozent, worauf es bei ihm ankommt: Seine Seele in jedes Wort und jeden Klang zu legen - und bei aller Erdverbundenheit auch Sinn für Poesie zu zeigen.

Der Gast aus Köln, ehemals Herz und Seele der „Bläck Fööss”, zog das Publikum mit seiner ersten Solo-Tour seit fünf Jahren aber auch in seinen Bann, weil er so vielfältig ist. Das gilt vor allem für die Töne, die er anschlägt, und für die Mentalitäten, die er zeichnet.

Da ist die burleske „Kaffeebud” ebenso dabei wie die Randy-Newman-Variation „Klejn Minsche” oder „Kaczmarek”, der Hausmeister aller Hausmeister. Immer wieder zeigte Engel mit seinem Programm, dass er immer auch anders ist - und dass in seinem Gesang, seiner Musikalität Rock und Soul zusammenkommen.

Denn „Für et Hätz un jäjen dr Kopp”, eine vor Innenspannung und Rhythmus nur so vibrierende Hymne, polierte das Gefühl wieder auf Hochglanz - ebenso, wie das auf sehr viel persönlichere Weise „Denk ich an dich”, eine Reverenz an die Mutter des Sängers, bewerkstelligte.

„Solo 2004” war im Grunde so wie das Leben selbst. Immer wieder, wenn es sentimental wurde, kam auch bald ein lustiges Stück wie das hoch komödiantische „Schützenfest” um die Ecke.

Auch Respektsbezeugungen an die 1991 gestorbene Trude Herr wie „Ich sage, was ich meine” fehlten nicht. Das Publikum nahm es jedenfalls dankbar auf. Denn wenn es um die Verehrung der Musik- und Dialekt-Ikonen geht, sind auch die Menschen aus dem Nordkreis Aachen im Grunde ihres Herzens Kölner.