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Er sorgt für Barbies neue Kleider

Er sorgt für Barbies neue Kleider

Kerkrade (an-o) - Jan Flories Eltern wären froh gewesen, wenn er sich 1964 eine Eisenbahn zu Weihnachten gewünscht hätte. Doch der 13-Jährige wollte Barbies. Seiner Vorliebe für die Spielzeugfrau ist er treu geblieben. Heute schneidert er ihr die Garderobe.

"Barbie sah damals ganz anders aus, hatte einen üppigen Busen, war aber eine echte Lady", sagt Jan Florie. Betont sexy war die Vorgängerin "Lily", eine Puppe, die von Fernfahrern bevorzugt wurde. "Barbie war eher das Abbild amerikanischer Filmstars, ich vergleiche sie oft mit der Monroe, der schönsten Frau, die je gelebt hat. Barbie war für mich die perfekte Frau, für die ich Kleider schneidern wollte."

Der 53-jährige diplomierte Modedesigner aus Kerkrade näht Kleider für die Puppen, möbelt alte Barbies wieder auf und veranstaltet Workshops, bei denen man lernt, Barbie-Kleider nach original Schnittmustern aus den Vereinigten Staaten zu nähen. Am kommenden Sonntag organisiert Jan Florie zusammen mit seinem Partner John Fonteijn (63) im niederändischen Schloss Doenrade (Zwischen Geleen und Schinveld) die "Barbiance". Auf dieser Sammlerbörse werden unter anderem Puppen aus den Anfangsjahren (1958-1966) angeboten, so genannte Vintagekollektionen.

Im vergangenen November luden Florie und Fonteijn zur ersten "Barbiance" nach Valkenburg ein und bekamen Besuch von Sammlern aus ganz Deutschland und Belgien: "Die Hälfte der Sammler sind Männer, erzählt Jan Florie. Männer, die mit Puppen spielen? Wieso nicht? Außerdem ist es keine Puppe zum Spielen, dazu sind die Kleider viel zu zart. Der Hersteller Matell hatte eigens dafür Designer angestellt. Entsprechend teuer sind die Puppen.

Bei Jan Florie kann man den Wert einer Barbie schätzen lassen. "Wenn sie noch in der Originalverpackung ist, bringt sie zwei- oder dreitausend Euro. Aber mehr als 500 würde ich niemals dafür zahlen. Ich bin ein Liebhaber, kein Händler." Florie ärgert sich immer noch, seine eigene Sammlung vor Jahren für einen Schleuderpreis verkauft zu haben. Er hatte an der Modeakademie von Maastricht studiert, sich dann aber entschieden, Krankenpfleger zu werden. Seine Barbies gab er für einen lächerlichen Betrag weg, "sie waren mindestens das Zehnfache wert." Florie bereute den Verkauf sofor. Mittlerweile hat er seine Sammlung fast wieder beisammen.

Unerreichbare Frau

Sein Partner ist ebenfalls von der Puppen-Diva hingerissen. Der 63-Jährige ist Puppenspieler und erweckt Barbie in seinen Stücken zum Leben. In seinen Ausführungen ist Barbie Dornröschen, Aschenbrödel oder Schneewittchen. Kühl, erhaben und schön sitzt sie am Klavier und schaut liebenswert hinunter auf die Kinder und Erwachsenen, Êdie sich auch nach einem halben Jahrhundert noch von dem Zauber der unerreichbaren Frau verführen lassen.