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Aachen/Düren: „Entwertung” des Freundes ging bis zu Todesstrafe

Aachen/Düren : „Entwertung” des Freundes ging bis zu Todesstrafe

Die psychiatrische Gutachterin Konstanze Jankowski (Köln) gab sich vor dem Aachener Schwurgericht alle erdenkliche Mühe, ein schlüssiges Psychogramm des Angeklagten Dietrich F. (21) in ihrem Gutachten zu zeichnen und ein stimmiges Motivbündel für den Mord an seinem besten Freund Halil C. herauszuschälen.

Das war nicht so einfach, da der aus einer strenggläubigen Baptistenfamilie stammende junge Mann in eher dürftigen Statements über seine Motive berichtet hatte. So galt die Frage seines Verteidigers Rainer Dietz (Aachen) an die Gutachterin eher der allgemeinen Aufklärung, welche Gefühle denn nun am 3. April dieses Jahres den Einzelhandelsverkäufer dazu trieben, zur Armbrust zu greifen und seinen zwei Jahre jüngeren Freund kaltherzig von hinten zu erschießen.

Zwei Gründe, die allerdings mehr an der Oberfläche dahindümpeln, benannte die Gutachterin. Eine abgesagte Berlinreise und der vom Täter ausdrücklich missbilligte Sex des Opfers mit seiner Freundin in der Wohnung habe für Dietrich F. „das tiefe Verhältnis der beiden entwertet”, soweit, dass das Menschenleben des völlig anders, nämlich extrovertiert und munter lebenden Halil C. für ihn rein gar nichts mehr wert war.

„Wenn der Dietrich F. einmal auf einer Schiene ist, dann gibt es kein Zurück”, beschrieb sie seinen nach ihrem Gutachten „schizoiden” und wenig flexiblen Charakter. In jenem Moment der Nacht des 3. April habe F. innerhalb von Sekunden den Tod des lebenslustigen Halil, dessen große Familie fassungslos vor Trauer dem Verfahren beiwohnte, beschlossen.

Für den „Mord aus Heimtücke forderte Staatsanwalt Ralf Bücker am Montag lebenslange Haft mit der Feststellung „der schwere der Schuld”, was vorzeitige Entlassung unmöglich macht. Die Nebenkläger schlossen sich im Wesentlichen an. Verteidiger Dietz sah in der Tat eher eine Totschlagshandlung und forderte eine Haftstrafe „im oberen Drittel”. das Urteil wird morgen um 10 Uhr gesprochen.