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Trier: Enormes Chaos in Himmel und Hölle

Trier : Enormes Chaos in Himmel und Hölle

Der Schock ist groß, als Guildo Horn sich nach seinem Tod in der Hölle wieder findet. Adrett mit Hut, Fliege und Anzug bekleidet, eine abgewetzte, braune Aktentasche unter den Arm geklemmt, steht er plötzlich völlig verzweifelt zwischen schreienden und dreckigen Menschen.

Und er erkennt richtig: „Das ist ein Irrtum. Ich habe keine Schuld.”

Eine dumme Verwechslung ist schuld daran, dass er als braver Beamter in der Hölle landet, ein Gangster dagegen in den Himmel geschickt wird. Das Musical „Paradise of Pain” des Saarbrücker Komponisten Frank Nimsgern feierte in Trier in einer Neufassung unter tosendem Applaus Premiere.

Witzig ist die Verwechslungsgeschichte, die - wie Nimsgern erzählt - nach dem Essen in einer Pizzeria auf Papierservietten entstanden ist. Die Gebieterin der Hölle, Mephista (Sanni Luis) macht Horn alias Johannes Täufer klar, was ihn in ihrem Reich erwartet: „Du kannst dich auf der Streckbank massieren, im Bottich weich kochen oder in der Jauche-Wanne abkühlen lassen”, sagt sie. Außerdem steht Stromerzeugung für den Himmel an. Horns Rufe nach dem Gesetz und einem Vorgesetzen verhallen in lautem Gelächter.

Bunt und originell auch die Musik, die Nimsgern - bei der Premiere persönlich an der Gitarre tätig - anklingen lässt. Vorwiegend ertönt Funk, aber auch klassische, rockige und poppige Töne fehlen nicht.

„Das hohe musikalische Niveau hat mich von Anfang an überzeugt”, sagt Horn (42), der seit 2000 regelmäßig auf deutschen Musicalbühnen zu sehen ist. Aber auch die Rolle habe ihm zugesagt: „Ich mag das auch mal, den ganz Braven zu spielen. Ein Stück Pedant steckt schließlich in jedem von uns.” Der Schlagersänger steht derzeit auch in Essen im Musical „Kiss me, Kate” auf der Bühne.

Für die Trierer Neufassung von „Paradise of Pain”, das 1999 am Saarländischen Staatstheater uraufgeführt wurde, hat Nimsgern einige Melodien neu geschrieben. Auch Bühnenbild, Choreografie und die Geschichte wurden nach Angaben des Intendanten des Theaters, Gerhard Weber, kräftig überarbeitet. Nimsgern gilt als einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Musicalkomponisten in Deutschland.

Nach der rauchig-dunklen Höllenszene dreht sich das Boot auf der Bühne - und die weiße, ruhige Welt des Himmels erscheint. Hier führt Engel Angelina Regie, deren Rolle von Stephanie Wettich musikalisch und tänzerisch brillant umgesetzt wird. Auch Gangster Jonathan Diver (Michael Ophelders) fühlt sich nach seinem Tod deplatziert. Genervt läuft er neben Jeanne d´Arc, Leonardo da Vinci und Sokrates umher, die nichts anders tun als „lieben, fliegen, tanzen und lachen”.

Oder sich aus einem Kühlschrank mit Häppchen und Getränken zu bedienen. Szenen wie diese sorgen für lautes Gelächter im Publikum.

Es dauert nicht lange, bis Himmel und Hölle von den Neuankömmlingen revolutioniert werden. Horn führt zur großen Begeisterung der Bewohner Paragrafen und Gesetze in der Hölle ein und bringt Chefin Mephista zur Weißglut.

Und Diver erobert mit seiner rauen Art das Herz von Engel Angelina. Als sich nach chaotischen Szenen der Gottvater - ebenfalls von Horn gespielt und als Filmsequenzen eingespielt - einschaltet, sind alle längst glücklich. „Paradise of Pain” steht in Trier 18 Mal auf dem Spielplan - mit Option auf Wiederaufnahme.

Infos im Internet:
http://www.theater-trier.de