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Aachen: Eines Tages baut er eine Roboterflotte

Aachen : Eines Tages baut er eine Roboterflotte

„Sie sehen, ich schaue da wirklich marktnah nach der Dienstleistung, nach dem Nutzen für den Kunden.” So reden in die Jahre gekommene Vertreter in geschmacklosen Anzügen über irgendein Produkt, das einen nicht wirklich interessiert, über das man aber doch bitte was in der Zeitung schreiben soll. Ridha Azaiz sagt viele solcher Sätze.

Er ist aber erst 22, sieht blendend aus in Jeans und weißem Hemd. Und seine Erfindung hat er, immerhin, auf der Hannover Messe vorgeführt: einen Roboter, der die Wände hochgehen und Solaranlagen reinigen kann. Wie nah das wirklich am Markt ist, muss sich zeigen.

Aber Al Dschasira, der arabische Sender, hat ihn gefilmt und versprochen, ein Porträt von Ridha Azaiz und seinem „Wallwalker” (Wandgeher) zu bringen. Nicht schlecht für einen Maschinenbaustudenten im sechsten Semester.

Dabei hat die RWTH Aachen, an der der angehende Ingenieur „wegen der überragenden Rankings” unbedingt studieren wollte, kaum was zu tun mit seiner Leistung, wie er erzählt. In Stuttgart aufgewachsen, Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen, hat Ridha „schon im Kindergarten gesägt”.

Und dann alles aufgeschraubt und jeden Computer-Club im TV gesehen. Mit „zwölf oder 13” hat er ein Buch über die Katastrophe von Tschernobyl und die Alternativen zum Atomstrom gelesen. „Und seitdem bin ich fasziniert von der Idee, Energie aus Licht zu machen.”

„Meistens war ich zu jung”, und die Schulkameraden haben ihn erst einmal „ausgelacht, weil ich einen Roboter bauen wollte” und sich damit zu einem Wettbewerb nach dem anderen anmeldete. „Allerdings hatte ich auch Lehrer, die mich förderten.”

Und dann haben nicht mehr viele gelacht, als Ridha bei „Jugend forscht” in die Endrunden kam, in den Sommerferien bei Software-Firmen in den USA hospitierte und schließlich einen Roboter-Wettbewerb in Lausanne gewann. Und als das der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, in der Zeitung las, hat er ihm einen Brief geschrieben und zu einem Praktikum in Glasgow eingeladen.

Zu jung war er eigentlich auch, als er mit 14 Jahren ein Praktikum bei Bosch gewann mit der Studie, die ihn auf die Idee zum Solaranlagenroboter brachte und die er bis heute verfolgt. „Ich hatte gelesen, dass der Ertrag von Sonnenenergie durch Verschmutzung der Zellenoberfläche abnimmt. Und diesen Verlust habe ich gemessen.” Seitdem baut Ridha Roboter zur Reinigung und Wartung. „Ich wollte immer was Nützliches machen, einen Mehrwert schaffen, keine Fußball-Roboter.” Am Wochenende geht Ridha aber in die Disco.

„Sechs oder sieben” Roboter hatte der junge Mann schon gebaut, bevor er sein jüngstes Modell („in vier Wochen aus dem Boden gestampft”) im April auf der Hannover Messe vorführen durfte. Der VDI, der Verein Deutscher Ingenieure, stellte den zielstrebigen Tüftler auf der Plattform seines Meeting Points für Studenten und Jungingenieure („suj”) heraus.

Ein hohes Interesse habe es gegeben, sagt Ridha Azaiz, „potenzielle Partner möchte ich aber noch nicht nennen. Es gibt viele Haifische im Becken”. Da muss man wohl durch als kommender Geschäftsmann. Abgehoben hat er jedenfalls noch nicht: „Manche Leute sagen, das Ding ist Quatsch. Manche sind begeistert. Ich sehe das neutral.”

Ridha Azaiz wird nicht aufgeben, wenn das jetzt nicht klappt. Mit drei Geschwistern, und nicht nur weil er Schwabe ist, hat er gelernt, mit wenig Geld auszukomen. „Ich achte auf schlanke Strukturen. Das ist alles aus sehr dünnem Etat gestrickt.” Eines Tages wird er seine „Roboterflotte” bauen. Oder was anderes.