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Köln: Eine Show als Ausweg aus dem Elend

Köln : Eine Show als Ausweg aus dem Elend

Für junge Südafrikaner aus Soweto ist Todd Twala ein Superstar. Die heute 50 Jahre alte Tänzerin, Sängerin und Choreografin stammt selbst aus den Slums am Rande von Johannesburg. Aus eigener Kraft schaffte sie es, den Stacheldraht zu überwinden, der ihr Viertel umgab, und im Showbusiness Karriere zu machen.

In den 70er Jahren tourte sie mit dem Musical „Meropa” durch Europa und spielte vor Queen Elizabeth, in den 80er Jahren stand sie mit der Gruppe „Chess” an der Spitze der südafrikanischen Charts. Zusammen mit ihrer Jugendfreundin Thembi Nyandeni kreierte sie die Show „Umoja”, eine Revue rund um Südafrika.

Was erst auf dem schwarzen Kontinent Triumphe feierte, um nach der Premiere am 12. November 2001 im Londoner Shaftesbury Theatre Zuschauer in mehr als 20 Länder zu begeistern, ist seitdem für junge Südafrikaner aus unterprivilegierten Verhältnissen eine Chance, die Armut hinter sich zu lassen. Ab 23. Januar ist „Umoja” im Düsseldorfer Capitol zu erleben.

Umjubelte Premiere

Zu jeder Audition, zu jedem Vorsingen und Vortanzen für eine Neu-Besetzung, kommen sie zu Tausenden. „Es ist unglaublich schwer, wenn du diese vielen jungen Menschen vor dir hast, die alle eine Chance verdient haben, aber du weißt genau, du brauchst nur zwei neue Sänger und alle anderen musst du wieder wegschicken”, gesteht Todd Twala, „ich bin selbst Mutter und fühle mich jedes Mal schuldig. So als würde ich mein eigenes Kind wegstoßen”. Im Berliner Admiralspalast erlebte „Umoja”, die Show, die jungen Menschen eine Alternative zu Kriminalität, Drogensucht und Prostitution bietet, eine umjubelte Deutschlandpremiere. Erst wenn man den sozialen Hintergrund der Akteure zwischen 16 und 28 Jahren kennt, versteht man, warum sie mit solcher Leidenschaft bei der Sache sind.

Die Show in zwei Akten (mit Pause) ist ein Spektakel, das vor Energie und praller Lebensfreude nur so sprüht. „Umoja” stammt aus der Xhosa-Sprache und steht für den Geist des Zusammenseins. Diesen Geist kann man in jedem Moment spüren. Er lebt im kraftvollen Zusammenspiel der Musiker, in den beschwörenden Stam-mestänzen und in der a cappella gesungenen Beschreibung eines Talentwettbewerbs der 50er Jahre. Er durchpulst die Marimbaspieler, die Cheerleader-Mädchen und die Zulu-Krieger.

Sein Herz schlägt im Takt der Trommeln, er vibriert in den Clubs, auf den Straßen, in den Slums. „Umoja” verbindet Traditionelles mit Neuzeitlichem und erzählt die Geschichte Südafrikas. Sie handelt von Hirsebier, Hochzeitsfeierlichkeiten und Wahrsagern, von Schlangentänzen, Per-lenschnüren und von Durban, dem Mekka der Landflüchtigen. Sie spart auch Apartheid, Passzwang und Aids nicht aus und das Elend der Minenarbeiter, die für einen Hungerlohn im Dunkeln unter Tage schuften mussten, oft bis zu den Knien im Wasser, ohne dabei sprechen zu dürfen. Und darum, als Mittel der nonverbalem Kommunikation den „Gummboot Dance”, den Tanz der Gummistiefel, erfanden.

„Umoja” führt die Zuschauer nach Soweto, wo 1976 bei einem Friedensmarsch 566 Kinder getötet wurden, nach Sophiatown, dem vibrierenden Mekka der Gangster und Künstler und in die Shebeens, Kneipen, in denen illegal Alkohol verkauft wurde.

Zweieinhalb Stunden „Umoja”, das ist Folklore, Jazz und Soul, Gospel, afrikanischer A-cappella-Gesang und Kwaito, jene Musik die die südafrikanische Jugend elektrisiert, indem sie Discosound, HipHop, Reggae, Rhythm„n„Blues und Housemusik verschmilzt. Und, nicht zuletzt, ist „Umoja” Hoffnung. Für all jene, die einen Ausweg suchen, aus ihrem Elend, das sie nicht verschuldet haben.

„Umoja. The spirit of togetherness” - Termine und Preise
Vom 23. Januar bis 4. Februar im Capitol Theater, Düsseldorf, Erkrather Str. 38. Vorstellungen: Di.-Fr. 20 Uhr, Sa. 16 und 20 Uhr, So. 15 und 19 Uhr. Preise: 29-60 Euro (zuzüglich VVK-Gebühr und zwei Euro Systemgebühr pro Ticket).