1. Kultur

Aachen: Eine „Pastorale” auf Samtpfoten

Aachen : Eine „Pastorale” auf Samtpfoten

Der „Platzregen”, so das Motto des ersten Sinfoniekonzerts der Spielzeit, blieb zum Glück aus, als Gastdirigent Matthias Foremny im Aachener Eurogress den Taktstock zu Claude Debussys zerbrechlichem „Prélude à l´apres-midi d´un faune” hob.

Der Schweriner Generalmusikdirektor brachte das unverwechselbare Kolorit der Partitur eindrucksvoll zum Leuchten, legte dabei weniger Wert auf klangliche Transparenz als auf die sinnliche Atmosphäre der Tondichtung. Dass Foremny das Werk trotz des gedehnten Tempos unter Spannung halten konnte, zeugt von der Sorgfalt, mit der er das Aachener Orchester zu einer ausgefeilten Artikulation und Phrasierung motivieren konnte.

Das schlug sich in einem ausgewogenen Gesamtklang ebenso nieder wie in exzellenten Bläser- und Streicher-Soli. Erstklassig die warm tönende Flöte, während sich die in diesem Umfeld zu scharf klingende Oboe nicht immer in den von Foremny angestrebten Mischklang einfügen wollte.

Einen nicht minder sauber ausgearbeiteten Eindruck hinterließ Beethovens 6. Symphonie, deren pastorale Naturnähe Foremny freilich zu einer arg braven Darstellung verleitete, der man die Nähe zur zeitgleich entstandenen Fünften und die Bestimmung als Revolutions-Sinfonie nicht mehr anhören konnte.

Eine „Pastorale” auf Samtpfoten, weich akzentuiert ohne Ecken und Kanten, mit einem abgefederten Gewitter, klanglich romantisch ausgeleuchtet, indem die Bläser vom Streicherklang aufgesogen werden, wodurch die orchestrale Balance in Schieflage gerät. Eine konventionelle, in ihrer Art allerdings konsequent ausgeführte Interpretation, die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde.

Die beiden Geniestreiche flankierten eine leibhaftige Uraufführung des Baden-Badener Komponisten Robert HP Platz: „Nacht - Unter Segel - bulk” als Auftragskomposition des Aachener Sinfonieorchesters und der Kunststiftung NRW. Der unhandliche Titel spiegelt die Verknüpfung zweier früherer Werke des viel beschäftigten Komponisten mit dem einzig wirklich neuen Teil „bulk” für Altflöte und Orchester wieder. „Nacht”, eine dunkel tönende Elegie für Solo-Alt, und das attackierende Klavierstück „Unter Segel” stammen aus Werken der Jahre 2004 und 2007.

Dass sie sich recht stimmig mit „bulk” verbinden lassen, dürfte an der stilistischen Neutralität des neuen Teils liegen. Dankbare Aufgaben für den vorzüglichen Solisten Jean-Luc Menet werden von routinierten Einwürfen des Orchesters sekundiert, das hier kaum mehr als die Rolle eines Stichwortgebers zu erfüllen hat.

Ein 20-minütiges Werk, das in Kammerformation den Flötisten noch präsenter herausstellen könnte und den enormen Aufwand mit einem Solo-Flötisten, einer Solo-Altistin (Leila Pfister mit einem extrem kurzen Auftritt), einem Pianisten (Gabor Kali mit kaum größeren Aufgaben) samt großem Sinfonieorchester nicht rechtfertigt.