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Mönchengladbach: Eine Kratzbürste, ein Kater und viel Wodka

Mönchengladbach : Eine Kratzbürste, ein Kater und viel Wodka

Den Tod einer 78 Jahre alten Frau nach einem Nachbarschaftsstreit um einen Kater namens „Felix” versucht das Landgericht in Mönchengladbach seit Donnerstag aufzuklären.

Wurde die alte Dame von ihrer 59 Jahre alten Nachbarin die Treppe hinuntergestoßen oder hat die gebrechliche Frau das Gleichgewicht verloren? Der Polizei hatte die Sterbende noch gesagt, sie sei gestoßen worden.

Doch die Angeklagte beteuerte beim Prozessauftakt ihre Unschuld: Sie habe ihre streitsüchtige Nachbarin nicht einmal berührt: „Da hätte sie doch sofort wieder geschrien.” Tatsache ist, dass die 78- Jährige an einem Samstagvormittag Ende Mai mit gebrochenem Schädel am Fuß einer fast drei Meter hohen Treppe gefunden wurde. Sieben Stunden später starb die Frau. Zuvor hatte sie ihre verhasste Nachbarin, die sie auch mehrmals angezeigt hatte, noch schwer belastet.

Die Deutsch-Kasachin Natalia S., wegen Totschlags angeklagt, hatte am Tattag 1,7 Promille Alkohol im Blut. Eine dreiviertel Flasche Wodka habe sie wohl getrunken, räumt die Angeklagte nach mehreren Nachfragen ein. Durch die geschlossene Wohnungstür sollen die Frauen über den Kater gestritten haben, eine Aussprache scheiterte schon an der Sprachbarriere. Tagelang soll die 78-Jährige den Kater der 59-Jährigen in ihrer Wohnung gefangen gehalten und dies geleugnet haben.

Die 85-jährige Nachbarin ein Stockwerk tiefer mag nicht an ein Verbrechen glauben: „Die Frau S. war immer ganz ruhig.” Weniger gut ist die Zeugin auf die Tote zu sprechen: „Eine streitige Person.” Auch die Tochter der Angeklagten und die anderen Nachbarn berichten von der Streitsucht der alten Dame: „Fahrt wieder zurück nach Russland!”, habe sie aus dem Fenster geschrien. Wegen vermeintlichen Lärms rief sie immer wieder die Polizei.

Hat die 59-Jährige sich reichlich Mut angetrunken und ihrer kratzbürstigen Nachbarin einen tödlichen Stoß verpasst oder hat die streitbare alte Dame ihrer ungeliebten Mitbewohnerin eine letzte Gemeinheit hinterlassen? Ein Nachbar berichtet von einem lautstarken Streit im Treppenhaus zwischen den Damen, aber gesehen habe er nicht, was geschah. Den Kater versorge er inzwischen, seit Natalia S. in Untersuchungshaft sitzt. Es gehe ihm gut. Das Gericht hat noch zwei weitere Verhandlungstage geplant.