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Köln: Eine Königin mit Kraft, Glut und Innigkeit

Köln : Eine Königin mit Kraft, Glut und Innigkeit

Um 22.18 Uhr gehört die Bühne ihr allein. 1900 Herzen fliegen ihr zu. Die Luft vibriert. So intensiv ist der Applaus, dass eigentlich längst Rauchwolken von den Handflächen aufsteigen müssten.

Das Publikum jubelt sich heiser vor Begeisterung. Queen Esther Marrow lächelt. Jetzt und hier in der Kölner Philharmonie ist die kleine, rundliche Frau mit der schwarzen Zöpfchenfrisur wahrlich eine Königin und ihre Regentschaft unangefochten. Das Publikum, ihr Volk, hat sich von den Plätzen erhoben und erweist ihr jubelnd seine Referenz. Ihr Lächeln wärmt.

Tiefes Timbre

Bis in die letzte Reihe, bis zum obersten Rang. Bei „DidnIt Rain”, der ersten Zugabe des fulminanten Zweieinhalb-Stunden-Programms, hat sie alles gegeben. Töne, die höher, noch höher und immer höher emporsteigen, mit einer Tiefe und einem Timbre, die ihresgleichen suchen.

Voller Kraft, Glut und Innigkeit, Musik gewordenes Gebet zum Lobpreis des Herrn. Eine große, starke Seele breitet ihre Flügel aus.

Sie trägt die Zuhörer direkt ins Himmelreich. „The Harlem Gospel Singers” sind wieder in der Stadt. Seit 1990 tragen sie ihre musikalische Botschaft, den Glauben an Jesus, rund um die Welt und sind alle Jahre wieder auch im Rheinland gern gesehene Gäste. „The Power of Soul” heißt ihr neues Programm, und diese Kraft demonstrieren die neun Sänger und sechs Musiker aufs Überzeugendste.

Jeder einzelne von ihnen ist ein begnadeter Solist, der Gospels wie „Lamb of God”, Duetten wie „The Potter´s House” oder einem a cappella gesungen Spiritual-Medley eine ganz eigene, individuelle Färbung verleiht.

Das neue Programm ist eine Mischung aus Andacht und Action, was auch dadurch deutlich wird, dass die Protagonisten im ersten Teil vor der Pause in liturgisch anmutenden, weiten Gewändern auftreten, während sie im zweiten Teil mit schillernden Hemden und seidenen Westen, geschlitzten Röcken und Glitzer-Tops, mit Gehröcken, Fräcken und Federboas auf die Bühne zurückkehren.

Herzstück der Show ist ein Motown-Medley, das an die Zeit der „Temptations”, der „Supremes” oder an Marvin Gaye erinnert, deren Songs die 1960er und 1970er-Jahre dominierten. Auf eine Hommage an Soul-Diva Diana Ross (Cant Hurry Love, Stop! In The Name Of Love) folgt der Tribut an die Legende James Brown (I Feel Good), der „Love TrainÓ von „The O´JaysÓ bildet den Rahmen und gibt zugleich inhaltlich das Motto vor:

Hände der Queen

„People all over the world, join hands” (Menschen auf der ganzen Welt, reicht euch die Hände). Tatsächlich dürfen die in der ersten Reihe die Hände von Queen Esther, die Hände von Anthony Evans (musikalische Leitung) und die von Reverend Charles Lyles (Duett-Partner von Queen Esther) schütteln. Und auch die von Chorleiter Dennis W. Hinson, dessen quirliges Dirigat ihn schnell zum Publikumsliebling werden lässt.

„Musik ist eine Sprache, die jeder versteht und ein Geschenk Gottes”, hat Reverend Lyles, spirituelles Oberhaupt der Gospel-Sänger, einmal gesagt. Nach diesem Abend besteht kein Zweifel daran, dass er Recht hat.