Würselen: Eine Klangreise zum Träumen: Konzert von Helgi Jonsson und Tina Dico

Würselen: Eine Klangreise zum Träumen: Konzert von Helgi Jonsson und Tina Dico

Im Doppelpack waren sie schon mehrfach da. Doch bislang blieb Helgi Jonsson auf Burg Wilhelmstein eher der Begleiter von Sängerin und Songwriterin Tina Dico. Jetzt nicht mehr. Beim jüngsten Auftritt stehen beide Namen erstmals gleich dick auf dem Programmzettel.

Verständlich. Denn das verheiratete Paar geht seit geraumer Zeit auch kompositorisch gemeinsame Wege. Diese Wege führen ein gutes Stück weg vom leichtfüßigen Singer-Songwriter-Pop, mit dem die Dänin Tina Dico solo erfolgreich unterwegs ist. Helgi Jonsson hat schon mit 13 Jahren den Jazz entdeckt, und das kommt in seiner Musik bis heute rüber. Nicht mal so sehr in den Arrangements, sondern in den Strukturen, die er gern weitläufig und überraschend lässt.

Viele seiner Songs beginnen melodisch-kompakt und weiten sich dann immer mehr, bieten Raum für stille Momente, in denen nur wenige Töne umeinander kreisen. Manches wirkt wie ein Soundtrack für Fahrten über lange Straßen, die erst weit hinterm Horizont zu enden scheinen und über die Jonsson einen feinen Klangteppich legt. Der ist selten dicht gewebt, sondern meist schön luftig.

Die Posaune war defekt

Groß ist auch die Besetzung beim Auftritt in Würselen nicht: Neben Jonsson — der als Multiinstrumentalist neben Klavier und Gitarre auch die Posaune bedient — spielt Tina Dico Bass und Gitarre, dann sind da noch Gitarrist Pétur Ben und Schlagzeugerin Marianne Lewandowski, die aber zwischendurch bei manchen Songs hinter der Bühne verschwinden.

Der im isländischen Reykjavik geborene Jonsson hat lange in Österreich gelebt und freut sich, auf der Bühne Deutsch sprechen zu können. Und er hat Aufregendes zu erzählen, denn seine Posaune — ein geliebtes Geschenk seiner Eltern zu seinem 13. Geburtstag — war bei der Ankunft in Würselen defekt!

Doch Hans Brings, der Programmchef auf Burg Wilhelmstein, sorgte für Rettung. In Herzogenrath hat ein Instrumentenbauer in Windeseile einen richtig guten Job gemacht — und kurz vor dem Auftritt sind Posaune („Die klingt jetzt sogar noch besser als vorher!“) und ein bestens aufgelegter Helgi Jonsson zurück in Würselen.

Dort gibt es atmosphärische Stücke und charmante Coversongs wie „Kathy’s Song“ von Simon & Garfunkel. Auch Tina Dicos „These Walls“ — der erste gemeinsam aufgenommene Song — ist ein Genuss. „Damals habe ich mich sofort in deine engelsgleiche Stimme verliebt!“, macht Dico ihrem Mann ein Kompliment.

Überhaupt: die Stimmen. Die verwendet Jonsson gern lautmalerisch, so dass es immer wieder Passagen gibt, in denen nicht Worte, sondern lange und bisweilen dreistimmig gesungene Phrasierungen erklingen, die mit viel Applaus bedacht werden. Verdientermaßen. Denn die Klangreise, auf die Jonsson sein Publikum mitnimmt, ist an vielen Stellen zum Träumen schön.

Mehr von Aachener Zeitung