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Nürburgring: Ein Wegberger erobert den Nürburgring

Nürburgring : Ein Wegberger erobert den Nürburgring

Wenn die Nürburgring GmbH in die Tower-Lounge zum 80. Geburtstag ihrer Rennstrecke einlädt, sparen die Festreder nicht mit genügsam bekannten Schlagworten: Minister und Landrat schwärmen von Mythos, Faszination, weltweiter Bekanntheit und Aushängeschild nicht nur für Rheinland-Pfalz, sondern auch für Deutschland.

Und sie blicken natürlich optimistisch in die nächsten Jahrzehnte, auch wenn die Formel 1 vorläufig nur alle zwei Jahre antritt und die Region wie 1927 noch immer strukturschwach ist. Zusätzliche Einnahmen und 500 neue Jobs soll das Freizeit- und Businesszentrum bringen, in das 150 Millionen Euro fließen. Zum Nürburgring gehören aber auch die kleinen und großen Geschichten, die sonst leicht untergehen, aber erfrischender Weise bei der Geburtstagsfeier am Ring auch auf dem Programm standen.

Wie die von dem neunjährigen Hans aus Wegberg, den die Schule viel weniger interessiert als die zahlreichen Maschinen in Vaters Asphalt- und Beton-Mischwerk. Die Eltern Heyer wollen Abhilfe und schicken ihren Filius nach Adenau zu Pflegeeltern.

„Die waren wirklich sehr nett”, erinnert sich heute der 64-Jährige, stellt aber schmunzelnd fest, dass die „Zwangsversetzung ein Rohrkrepierer wurde”: An seinem zweiten Eifeltag nämlich hört der Junge lautes Motorengeräusch, schwingt sich aufs Fahrrad, fährt dem Lärm nach und ist bald mittendrin im Gewusel auf dem Ring. Der Rennsport lässt ihn nicht mehr los, er will in jeder Box alles aus nächster Nähe beobachten - und ist schnell als „der Junge bekannt, der aus jeder Box rausgeschmissen wird”. So oft, dass ihn viele Stars später wiedererkennen. Darunter Jackie Stewart und Hans Herrmann, die heute noch mit ihm befreundet sind.

Er wird Deutschlands erfolgreichster Kart-Fahrer, gewinnt dreimal die Deutsche Rennsportmeisterschaft (heute DTM), siegt bei den Sportwagen-Prototypen über 1000 Kilometer in Monza, Mugello, Kyalami und auf dem Nürburgring, bestreitet 1977 ein Formel-1-Rennen auf ATS und gewinnt zum Schluss seiner Karriere die Lkw-Klasse bei Paris-Dakar.

Und wenn er nicht gerade den Sturzhelm trägt, ist sein Markenzeichen ein Tirolerhut. Aus praktischen Gründen. Hans Heyers Erklärung: „Anfangs fuhr ich Kart mit einer Pudelmütze, um mich nicht zu erkälten. Die wurde aber immer zweckentfremdet, zum Beispiel zum Kettenputzen. Das passierte mit dem Tirolerhut nicht, der zudem bald mein Ausweis im Fahrerlager war.”

Für die anstehende Überarbeitung der Nordschleife hat der Wegberger einen Wunsch: „Die Bodenwellen dürfen sie nicht wegnehmen. Der Kurs muss schwierig bleiben.”

Die Nordschleife vergisst auch Rudi Altig nicht, sie ist dem Straßenweltmeister der Radprofis von 1966 aber nicht als die „Grüne Hölle”, sondern als die Hölle schlechthin in Erinnerung: „Als bekannt wurde, dass die WM dort stattfindet, bin ich zur Vorbereitung eine Runde gefahren, die hat mir mit den dauernden Höhenunterschieden eigentlich so was von gereicht. Aber im Rennen standen ja zwölf Runden auf dem Programm. Diese rund 260 Kilometer dort waren schwieriger als 500 Kilometer in den Pyrenäen.”