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Aachen: Ein verurteilter Mörder muss wieder vor Gericht

Aachen : Ein verurteilter Mörder muss wieder vor Gericht

Unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen endete am 31. Oktober 1997 ein Mordprozess vor dem Aachener Landgericht, der die Stadt in Atem hielt.

Angeklagt war der damals 41-jährige Klaus Günter S., der sich heute wieder vor einer Strafkammer des Aachener Landgerichts verantworten muss - er sitzt nach wie vor in Haft. Das Schwurgericht verurteilte Klaus Günter S. 1997 zu lebenslanger Haft wegen Mordes und Totschlags.

Der Täter aus dem Rotlichtmilieu wollte sich, hieß es damals, seine Freundin zurückholen, die ein Niederländer ihm anscheinend ausgespannt hatte. Sie sollte jenes Bordell führen, in dem es zum Showdown kam. S. bestreitet bis heute, dass die Tat ein kaltblütiger Mord war, sein damaliger (und heutiger) Verteidiger Norbert Hack plädierte im Prozess auf eine Notwehrhandlung und ging in Revision.

Am Dienstag nun sollen vor der 1. Großen Strafkammer langjährige Drogentaten von S. verhandelt werden, die er laut Staatsanwaltschaft gemeinschaftlich mit seiner damaligen Freundin zwischen 1994 und 1999 - bei letzterer Jahreszahl saß er bereits zwei Jahre im Gefängnis - begangen haben soll.

Der Hintergrund ist brisant: Vermeintlich sollten die Drogengeschäfte, für die die Lebensgefährtin bereits 2000 verurteilt wurde, eine Flucht ihres Partners aus dem Gefängnis finanzieren.

Im Moment aber droht weiteres Ungemach für die Justiz. Verteidiger Hack schaffte es, dass das Verfassungsgericht vor etwa eineinhalb Jahren die Wiederaufnahme des Schwurgerichtsverfahrens gegen S. in Köln verfügte. Das Landgericht wehrte sich mit Hilfe des Kölner Oberlandesgerichts gegen die obersten Richter, Hack legte wieder Verfassungsbeschwerde ein, über die nach Auskunft des Eschweiler Anwalts „minütlich entschieden” werden könne.

Entscheidung fällt minütlich

Falls das Verfassungsgericht zum zweiten Mal eine neue Hauptverhandlung gegen S. verfüge, dann „muss mein Mandant” zunächst einmal auf der Stelle freigelassen werden, glaubt Hack; denn ein von der Staatsanwaltschaft beantragter „vorsorglicher” Haftbefehl sei von den Verfassungsrichter „zerrissen” worden.

Deswegen könnte es noch während des auf 25 Verhandlungstage angesetzten Prozesses in Saal A0.009 des Aachener Justizzentrums passieren, dass ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder nach elf Jahren auf freien Fuß kommen könnte.