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Ein Toter rettete sein Leben

Ein Toter rettete sein Leben

Stolberg (an-o/eis) - "Der Tag der Transplantation ist mein zweiter Geburtstag", sagt Klaus Heymann. Der Tod eines fremden Menschen hat ihm das Leben gerettet. Der 57-Jährige lebt seit sechs Jahren mit einer fremden Niere.

"Das Schönste für mich ist, keine Angst mehr vor dem Einschlafen zu haben. Ich hatte solche Schmerzen, dass ich nachts fast verrückt wurde." Am 29. September 1997 bekam Klaus Heymann seine Spenderniere. "Sie ist kein Fremdkörper, sondern ein Teil von mir. Ich glaube, der Spender hat die Niere gerne abgegeben, sonst hätte sie mein Körper auch nicht angenommen." Dem anonymen Spender ist Heymann zutiefst dankbar.

Fünf Jahre lebte er ohne Nieren: Seine eigenen waren durch Zysten so zerstört, dass sie entfernt werden mussten. Üblicherweise werden die alten Nieren im Körper gelassen und das Spenderorgan im Unterbauch eingepflanzt. Fünf Jahre ohne Nieren - ein Martyrium. "Mein Leben bestand aus Dialyse und Krankenhaus. Es ging mir immer schlechter, ich saß zuletzt im Rollstuhl und hatte unerträgliche Schmerzen", erzählt der Vater zweier Kinder, dessen Familie die ganze Zeit "eisern" zu ihm stand. Auch nach der Transplantation hat er ständig Schmerzen. "Ich weiß gar nicht mehr, wie sich ein Gesunder fühlt. Im Vergleich zu früher aber sind die Schmerzen unerheblich, ich blende sie aus."

"Freue mich über jeden Tag"

Eine transplantierte Niere ist übrigens auch deutlich "preiswerter" als eine Dialyse. Die kostet 40000 Euro im Jahr, Medikamente und Pflege der implantierten Niere nur 12.000 Euro. Die Operation kostet zurzeit 45.000 Euro.

Die lange Krankheit hat aus Heymann einen anderen Menschen gemacht, seine Prioritäten haben sich verschoben. Der neue Heymann gefällt ihm besser als der alte. "Früher hatte ich nur meine Arbeit im Kopf, war mit der Karriere beschäftigt." Zeit ist ihm kostbar, er widmet sich nur Dingen, "die mir Spaß machen. Ich freue mich über jeden Tag und wundere mich immer wieder, wie die Leute um mich die Zeit konsumieren." Heymann macht ehrenamtlich bei verschiedenen Projekten mit und engagiert sich in der Kommunalpolitik. "Ich habe das Gefühl, den Menschen etwas zurückgeben zu müssen, helfe den Schwächeren."

Die Transplantation - 28 Tage dauerte es, bis die Niere "ansprang" - hat er in einem Tagebuch festgehalten. "Die längsten Tage meines Lebens. Ich schaffe es noch nicht, das Tagebuch zu lesen." Dafür beginnt er einen neuen Lebensabschnitt: "Ich ziehe mit meiner Frau nach Berlin. Da wollte ich schon immer hin."