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Aachen: Ein Theaterabend der großen Gefühle: Grandioser „König Lear”

Aachen : Ein Theaterabend der großen Gefühle: Grandioser „König Lear”

Die Premiere endete mit langanhaltendem Beifall und Bravos: Shakespeares „König Lear” in den Kammerspielen des Theaters Aachen war ein großer Erfolg. Knapp drei Stunden lang geht Lear seelisch durch die Hölle. Vom selbstverliebten, gnadenlosen und rachsüchtigen Patriarchen zum geläuterten, gebrochenen Mann: Das war ein weiter Weg mit vielen Stationen, von Heino Cohrs grandios gespielt und für die Zuschauer geradezu eine Studie.

Ein Theaterabend der großen Gefühle hält den Zuschauer in Bann - fast wie großes Kino. Regisseurin Elina Finkel gelang es treffend und subtil, die Shakespeare-Interpretation in die Erfahrung unserer Tage einzubinden. Wie sollen die Generationen, wie sollen Alt und Jung, die Abtretenden und die Aufstrebenden miteinander umgehen? Das ist hier ganz konkret die Frage.

Der Konflikt zwischen Alt und Jung, er schaukelt sich in dieser Inszenierung auf, und jede Seite ist schuld daran - darum geht es Elina Finkel und ihrem Ensemble. Lears Töchter sind aus seinem Holz geschnitzt, beinhart, machtgierig, geltungsbedürftig. Und egoistisch - anders gewendet: vergnügungssüchtig. Alle Attribute werden lebensvoll ausgespielt. Am Höhepunkt ihrer Emanzipation feiern die Schwestern eine Orgie.

Die Schauspieler glänzen allesamt mit ihrem natürlichen, überzeugenden Spiel. Das Publikum ließ sich sogar zu Bravos hinreißen.